Der Freiburger CVP-Ständerat Beat Vonlanthen hatte sich in einer Interpellation erkundigt, was die Gründe für den Entscheid seien. Von der Antwort des Bundesrates zeigte er sich "ganz und gar nicht befriedigt".
Der Bundesrat mache geltend, es sei unrealistisch, dass die Verhandlungen abgeschlossen werden könnten. Ausserdem seien die Kosten für eine volle Teilnahme zu hoch. Diese Überlegungen seien nur schwer nachvollziehbar, kritisierte Vonlanthen.
Hochschulen tragen Kosten
Mit der vom Bundesrat angestrebten "Schweizer Lösung" fielen die Kosten nämlich bei den Schweizer Bildungsinstitutionen an, die bilaterale Vereinbarungen mit ausländischen Institutionen aushandeln müssten. Und die Schweizer Studierenden würden benachteiligt. Für sie stünden nun weniger Destinationen und weniger Plätze für einen Austausch zur Verfügung.
Ausserdem sei die "Schweizer Lösung" einseitig auf die Studierendenmobilität fokussiert. Andere Aspekte von Erasmus+ wie Hochschulkooperationen und strategische Partnerschaften würden nicht berücksichtigt. Das werde sich negativ auf die Vernetzung des Bildungsstandorts Schweiz auswirken. Es sei unumgänglich, dass sich der Bundesrat wieder zum Ziel einer vollständigen Teilnahme an Erasmus plus bekenne, befand Vonlanthen.
Mehrkosten von 500 Millionen
Bildungsminister Johann Schneider-Ammann verteidigte den Entscheid. Die Kosten für eine volle Teilnahme wären dreimal höher, argumentierte er. Wenn zusätzlich 500 Millionen Franken investiert würden, müsste diese Summe in einem anderen Bereich der Bildung kompensiert werden.
Die Verhandlungen über eine Assoziierung an Erasmus+ waren nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative auf Eis gelegt worden. Dank einer Übergangslösung können Studierende aus der Schweiz aber bis Ende 2017 Auslandssemester absolvieren und beim Austausch mitmachen. Die Vorlage zur "Schweizer Lösung" in den Jahren 2018 bis 2020 hat der Bundesrat im April ans Parlament geleitet. Diese gleicht der geltenden Übergangslösung.