Auch der Bundesrat habe aus den Medien erfahren, dass die Türkei in insgesamt 15 Ländern solche Schulen gründen wolle, sagte Schneider-Ammann in seiner Antwort auf eine Frage von Nationalrätin Sylvia Flückiger (SVP/AG). Die Kurse seien als freiwillige Ergänzung zur Volksschule gedacht und würden ausserhalb der obligatorischen Schulzeiten angeboten.
Aus diesen Gründen würden sie nicht in die Zuständigkeit der Volksschule fallen. Ihr Besuch wäre eine "private Entscheidung ausserhalb des Schulsystems". Die türkisch-stämmigen Schüler und Schülerinnen müssten die Schweizer Volksschule weiterhin besuchen.
Flückiger wollte vom Bundesrat weiter wissen, ob solche Schulen nicht die Integration dieser Kinder behindere. Dies könne derzeit nicht beantwortet werden, sagte Schneider-Ammann. Gegen ergänzenden kulturellen Unterricht sei nichts einzuwenden, solange er nicht zu Propaganda-Zwecken missbraucht werde.
Auf die Frage, ob die Schweizer Behörden kontrollieren könnten, was an diesen Schulen genau unterrichtet werde, sagte der Bildungsminister, die Volksschule dürfe auf solche Angebote wohl keinen Einfluss nehmen.
Bildungsoffensive
Die Pläne der türkischen Regierung, im Rahmen eines gross angelegten Bildungsprogramms in verschiedenen westlichen Staaten Wochenendschulen zu gründen, sorgten jüngst für Schlagzeilen. Medien sprechen von einer Bildungsoffensive des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.
Hinter dem staatlichen Projekt steht das Ministerium für Auslandstürken (YTB), eine 2010 von der AKP-Regierung gegründete Behörde. Die neuen Schulen in der Schweiz sollen von türkischen Organisationen geführt werden und sind als freiwillige Ergänzung zur Volksschule gedacht - in Konkurrenz zum Unterricht in heimatlicher Sprache und Kultur (HSK), bei dem die Volksschule ein Wort mitzureden hat.