(sda) "Doris Leuthard ist eine Frau des Herzens, und unter anderem deshalb ist sie so populär": Mit diesen Worten hat Nationalratspräsidentin Marina Carobbio (SP/TI) die abtretende Umwelt- und Verkehrsministerin gewürdigt. Verbunden mit dieser Popularität sei ein ausgeprägter politischer Instinkt.

"Leuthard wusste, was machbar ist und was von wem erlangt werden kann", sagte Carobbio am Mittwoch vor der Vereinigten Bundesversammlung. Die Popularität der Aargauer CVP-Politikerin habe sich bereits bei ihrer Wahl 2006 gezeigt, und diese Eigenschaft sei in all ihren Amtsjahren ihre grosse Stärke gewesen.

Die Nationalratspräsidentin würdigte die Erfolge Leuthards, die zunächst dem damaligen Volkswirtschaftsdepartement vorgestanden hatte. Als Beispiele nannte sie die Aufnahme von Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit China, die inzwischen abgeschlossen seien, und die Revision der Arbeitslosenversicherung.

Trotz dieser Erfolge werde Leuthard vor allem als Vorsteherin des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) in Erinnerung bleiben. Dieses übernahm sie 2010.

Gut zwei Monate nach der Katastrophe von Fukushima habe Leuthard im Mai 2011 mit der Verkündigung der Energiewende für die Schweiz Geschichte geschrieben, mit der Bekanntgabe der Energiewende des Bundesrats und der Abkehr von der Atomkraft.

In den Ratsdebatten zum Energiegesetz habe Leuthard Tag für Tag ihr phänomenales Gedächtnis unter Beweis gestellt, gepaart mit der Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge verständlich wiederzugeben. "Sie hatte ihre Dossiers zweifellos im Griff." Aber auch Rührung und Bewegung habe Leuthard mehrere Male öffentlich gezeigt.

Dem Dank Carobbios an Leuthard als "Grande Dame politique" schloss sich das Parlament mit einer langen "Standing Ovation" an.