(sda) Die 48-jährige Waadtländerin Isabelle Moret hat den bisherigen Höhepunkt ihrer Politkarriere erreicht. Nach 13 Jahren in der grossen Kammer wurde sie am Montag mit einem Rekordresultat zur Nationalratspräsidentin gewählt. Die Rede der Rechtsberaterin aus Yens VD stand im Zeichen der Familie und der Jugend.

Moret begrüsste ihre Ratskolleginnen und -kollegen sowie die weiteren Anwesenden mit einer dreisprachigen Rede. Die Anrede und den Schlusssatz ("Viva la Svizra!") hielt sie auch in der vierten Landessprache Rätoromanisch.

Moret bedankte sich zu Beginn bei ihren Wählerinnen und Wählern, ihrer Partei, ihrem Kanton, ihrer Gemeinde - und ihrer Familie: "Meine Kinder sind der Sinn meines Lebens", sagte sie. Auch bei ihrer Vorgängerin als Nationalratspräsidentin, der neu gewählten Tessiner SP-Ständerätin Marina Carobbio Guscetti, bedankte sich Moret herzlich.

"Entscheidende Legislatur"

Die neue höchste Schweizerin zeigte sich erfreut über den Frauen- und Jugendrutsch bei den eidgenössischen Wahlen. Das sei "eine Entwicklung, die mich begeistert" Die Gleichstellung sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, zwei ihrer Kernthemen, würden so auf der politischen Agenda bleiben. Sie hoffe, eine Bewegung in Gang bringen zu können, die über ihr Präsidialjahr hinaus anhalte.

"Wir haben das Glück, eine entscheidende Legislatur mitprägen zu können", sagte Moret. Es liege am Parlament, klare und schnelle Antworten auf drängende Fragen zu finden. Sie erwähnte die Lohngleichheit von Mann und Frau, eine "echte Steuergerechtigkeit zwischen verheirateten und unverheirateten Paaren" oder bessere Unterstützung für Angehörige, die sich um Pflegebedürftige kümmerten.

Mehrere grosse Dossiers

Ein weiteres grosses Thema der neuen Legislatur seien die Renten, fuhr Moret fort. Nur mit einem "breiten Kompromiss" habe eine Reform Chancen. Auch in der Umwelt- und Klimapolitik sowie bei der Frage, wie auf die stetig steigenden Gesundheitskosten reagiert werde, erwarte die Schweizer Bevölkerung Antworten.

Ins Zentrum ihres Präsidialjahres will Moret die Prävention stellen, wie sie sagte. Damit gemeint sei auch Prävention im weiteren Sinne, beispielsweise in den Bereichen Biodiversität, bei der Förderung der Landwirtschaft, des lokalen Weinbaus, des Gewerbes.

Jugend bewegt

Umrahmt wurde die Eröffnungsrede von Moret mit einem musikalischen Vortrag der Truppen "Cent-Suisses" und "Cent pour Cent" der Fête des Vignerons. Moret erinnerte damit an das Waadtländer Fest, das alle 25 Jahre - also nur einmal pro Generation - stattfindet und zum immateriellen Kulturerbe der Unesco gehört.

Auch die olympische Flamme machte Halt im Nationalratssaal, als Vorbotin für die Olympischen Jugendspiele 2020 in der Westschweiz. Rund einen Monat vor Beginn der Spiele machte Moret Werbung für den Anlass, der symbolisch für eine Jugend stehe, die sich bewege, wie sie sagte.