(sda) Der Nationalrat will die ganze Sommersession in der Berner Messe Bernexpo abhalten. Er hat am Dienstag einen Ordnungsantrag der SVP-Fraktion mit 126 zu 55 Stimmen abgelehnt. Die Fraktion hatte gefordert, ab der zweiten Sessionswoche wieder im Bundeshaus zu tagen.

Das Parlament habe mit dem Abbruch der Frühjahrssession kurz vor dem Lockdown ein wichtiges Zeichen gesetzt, sagte Nationalrat Thomas Matter (SVP/ZH). Nun gelte es, ein starkes Zeichen zu setzen, dass die Schweiz rasch zur Normalität zurückkehren könne. Matter erinnerte daran, dass der Bundesrat ab dem 6. Juni Veranstaltungen mit bis zu 300 Personen erlaube. Die Einhaltung von Distanzregeln sei ausdrücklich nicht mehr erforderlich.

Die 2-Meter-Distanzregel habe weiterhin Bestand, erklärte Nationalrats-Vizepräsidentin Irène Kälin (Grüne /AG) im Namen der Verwaltungsdelegation. "Das Parlament ginge mit schlechtem Beispiel voran", sagte sie. Kälin wies auch auf die finanziellen Auswirkungen und auf die organisatorischen Schwierigkeiten hin, wenn nur der Nationalrat den Tagungsort verlegen würde.

Obwohl der Nationalrat den SVP-Antrag abgelehnt hat, ist die Rückkehr ins Bundeshaus durchaus ein Thema. Laut Kälin erarbeitet die Verwaltungsdelegation derzeit einen Plan, wann und unter welchen Umständen die Sessionen wieder im Parlamentsgebäude durchgeführt werden könnten.

Es würden verschiedene Varianten geprüft, sagte Kälin. Ziel ist es nach ihren Angaben, die Herbstsession wieder am angestammten Ort durchführen zu können. Die dann geltenden Vorschriften sollen auf jeden Fall eingehalten werden. Die Verwaltungsdelegation will am Mittwochabend einen Entscheid fällen.

Wegen der Corona-Pandemie hatten die Räte die Frühjahrssession Mitte März vorzeitig abgebrochen. Schon die ausserordentliche Corona-Session hatte Anfang Mai in den Messehallen am Stadtrand von Bern stattgefunden. Dort können die Abstandsregeln eingehalten werden.