(sda) Der Nationalrat wird in der dritten Woche der laufenden Sommersession eine aktuelle Debatte zum Thema "Gleichstellung der Geschlechter und Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben" führen. Das teilten die Parlamentsdienste am Donnerstag über Twitter mit.

Das Nationalratsbüro hat die Dringlichkeit von drei Interpellationen der SP-, Grünen- sowie GLP-Fraktion bejaht. Diskutiert wird am Donnerstag, 18. Juni, auch ein Postulat von Nationalratspräsidentin Isabelle Moret (FDP/VD) zum Thema. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat in der Corona-Krise und der damit verbundenen Schliessung von Schulen an Brisanz gewonnen.

Verschiedene Vorschläge auf dem Tisch

Laut den Grünliberalen zeigt die Corona-Krise deutlich, "dass bei der Gleichstellung und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf enormer Handlungsbedarf besteht", wie die Fraktion schreibt. Der Ausfall von Kindertagesstätten und Grosseltern habe zu massiv höheren Betreuungsaufgaben geführt. Es fehle ganz offensichtlich an Infrastrukturen, die das auffangen könnten.

Der Bundesrat soll aus Sicht der GLP einen Ausbau und bessere Finanzierung der Organisationen der familienexternen Kinderbetreuung ins Auge fassen. Zudem sei eine Verbesserung der Arbeitsanreize für Zweiteinkommen angezeigt.

Hilfe für Hausangestellte

Die Grünen stellen verschiedene weitere Massnahmen zur Diskussion, darunter eine "professionelle, staatlich unterstützte Betreuungsoffensive", die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den systemrelevanten Berufen, die Umsetzung und Durchsetzung der Lohngleichheit und eine "umfassende Prävention vor Gewalt gegen Frauen", wie es in ihrem Vorstoss heisst. Auch über eine spezifische Unterstützung für Flüchtlinge müsse nachgedacht werden.

Die SP-Fraktion fokussiert auf Hausangestellte, die von der Corona-Krise besonders getroffen worden seien. Sie bringt etwa einen Expertenausschuss mit mehreren Interessengruppen aufs Tapet, "um praktikable Lösungen zur Verbesserung der Situation zu finden". Daneben seien strukturelle Lösungen zu prüfen, beispielsweise in Bezug auf Ausbildung, Kontrolle der Löhne und Arbeitsbedingungen.

Bundesrat verneint Handlungsbedarf

Nationalratspräsidentin Moret fordert den Bundesrat mit einem Vorstoss auf, dem Parlament einen Überblick zu geben über die Bedürfnisse und das Angebot hinsichtlich Beratung zur Erleichterung der beruflichen Wiedereingliederung von Frauen. Im Fokus stehen sollen die elf Beratungsstellen, die früher vom Bund mitfinanziert wurden.

Der Bundesrat lehnt das Postulat ab, wie er in seiner schriftlichen Antwort von vergangenem September schrieb. Mittlerweile hätten sechs Beratungsstellen andere Finanzierungsquellen gefunden. Drei Beratungsstellen hätten den Betrieb eingestellt. Bei zwei Stellen sei die Situation noch nicht vollständig geklärt. Analysen zeigten zudem, dass es auf kantonaler Ebene viele Unterstützungsangebote gebe.