Der Nationalrat hat am Donnerstag die entsprechende Motion von Ruedi Noser (FDP/ZH) mit 137 zu 46 Stimmen bei einer Enthaltung gutgeheissen.
Innenminister Alain Berset wehrte sich vergeblich gegen den Vorstoss. Es gebe bereits heute eine grosse Zahl von Akteuren in diesem Bereich. Auch der Zugang zu rechtlichen Anlaufstellen sei durch spezielle Kinderanwälte in den Kantonen sichergestellt. Es sei daher wenig sinnvoll, etwas Zusätzliches zu kreieren.
Die Mehrheit im Rat war indes anderer Ansicht. Eine solche Stelle sei dringend für die Schweiz, sagte im Namen der Kommissionsmehrheit Sandra Locher Benguerel (SP/GR). Die Uno-Kinderrechtskonvention habe wiederholt auf diesbezüglich grosse Lücken in der Schweiz hingewiesen. Die Konvention verlange Anhörung und Mitbestimmung für Kinder.
Zahlreiche Anlaufstellen leisten laut Locher Benguerel zwar hervorragende Arbeit, haben aber keine Kompetenzen im rechtlichen Bereich. Kinder, die gehört und verstanden würden, seien später widerstandsfähiger und kämen im Leben besser zurecht. Zudem handle es sich hierbei klar um eine Bundesaufgabe. Immer mehr Familiensituationen seien zudem interkantonal.
Laut Verena Herzog (SVP/TG), Sprecherin der Kommissionsminderheit und der SVP, handelt es sich bei der Vorlage vor allem um ein "Prestigeobjekt", um dem Europarat und der Uno zu gefallen. Der niederschwellige Zugang für Kinder sei in den Regionen und Kantonen besser angesiedelt. Zudem müsste der Bund wohl eine massive Werbekampagne fahren, um die nationale Ombudsstelle für Kinder bekannt zu machen.