(sda) Die 29-jährige Mona-Lisa Kole hat einen Master in Global Governance der Universität Luzern, spricht Berndeutsch und ist mit einem besonderen Anliegen nach Bern an die Frauensession gereist. Sie ist konogolesische Staatsbürgerin mit einer Niederlassungsbewilligung C. Das aktive und passive Wahlrecht hat sie nicht.

"Ich habe Werbung für die Frauensession gesehen und fühlte mich zuerst nicht angesprochen, weil mir Wege der institutionellen politischen Partizipation aufgrund meiner Staatsangehörigkeit normalerweise verwehrt sind", sagte Mona-Lisa Kole am Freitag im Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Erst als sie festgestellt habe, dass auch Menschen unter 18 Jahren und ohne schweizerische Staatsbürgerschaft teilnehmen könnten, habe sie sich beworben.

Die beste Demokratie der Welt?

"Für mich sind vor allem Themen der Teilhabe und des Ausschlusses und der Repräsentation wichtig", erklärte sie. Vor 50 Jahren sei das Frauenstimmrecht eingeführt worden – jedoch nicht für alle Frauen in der Schweiz. Mit der Einführung des Frauenstimmrechts sei ein wichtiges Demokratiedefizit aufgehoben worden, "aber wie geht es in 50 Jahren weiter?", fragte Kole. "2,2 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz haben noch keine politischen Rechte."

"Und können wir von der besten Demokratie der Welt sprechen, wenn nur ein Drittel der Bevölkerung abstimmt? Wie fördern wir eine gesunde Demokratie und wie machen wir diese zugänglich?" Diese Fragen würden sie beschäftigen, deshalb habe sie auch in der Kommission für Einwohner:innenstimmrecht mitgearbeitet.

Starre Kategorien hinterfragen

"Mir haben sich aber auch viele Fragen gestellt", gibt sie zu. Wer könne es sich etwa leisten, zwei Tage für eine Kommissionssitzung der Frauensession von der Arbeit frei zu nehmen und dann nochmals im Oktober für die Session. Wer teilnehmen könne, sei auch eine finanzielle Frage. Es sei ihr auch nicht klar, wer sich angesprochen fühle, "wenn wir die Bezeichnung Frau benutzen und ständig in binären Kategorien von Frau und Mann sprechen".

Aber trotzdem sei die Frauensession für sie eine einmalige Chance - vor allen eine einmalige Chance der Partizipation - "als mehrfachmarginalisierte Frau - als Schwarze Frau, als queere Frau und insbesondere als Frau ohne schweizerische Staatsbürgerschaft".

Sie sei mit viel Vorfreude und "etwas Nervosität" nach Bern gereist. Sie wird die Forderung ihrer Kommission im Rat vertreten und vor das Mikrofon treten. "Ich freue mich, im Bundeshaus zu sprechen. Stimmen haben wir nämlich alle, wir kommen nur viel zu selten ans Mikrofon."