Die 34-jährige Kälin wurde zu Beginn der Wintersession am Montag mit 151 von 166 gültigen Stimmen gewählt. Sie löst den Berner SVP-Politiker Andreas Aebi ab. Hefti schaffte die Wahl zum Ständeratspräsidenten mit 44 von 45 gültigen Stimmen. Er folgt auf den Schwyzer SVP-Vertreter Alex Kuprecht.
Kälin unterstellt ihr Präsidialjahr dem Motto Vereinbarkeit - in zweierlei Hinsicht. Zum Einen will Kälin auf die Vereinbarkeit von Beruf respektive Politik und Familie fokussieren, wie sie in ihrer Antrittsrede sagte. Zum Anderen will die Grünen-Politikerin auf die Vereinbarkeit von verschiedenen Meinungen fokussieren.
Engagierte Linkspolitikerin
"Schaffen wir Kompromisse, welche Zukunft schaffen", forderte Kälin den Nationalrat auf. Sowohl die Klimakrise als auch die Beziehungskrise mit der EU bräuchten Lösungen mit Bestand. Auch die "leider immer noch sehr aktuelle Corona-Krise" bedürfe Lösungen, die alle miteinander tragen, egal "wie gut sie persönlich" gefallen.
Irène Kälin ist eine engagierte Linkspolitikerin, die sich im bürgerlichen Kanton durchsetzte. Sie setzt sich ein für eine menschliche Asyl- und Sozialpolitik, für Klimaschutz, für starke Rechte von Arbeitnehmenden sowie für mehr Krippenplätze. Und sie kämpft gegen Atomkraftwerke.
An die Seite von Kälin wurden Martin Candinas (Mitte/GR) mit 172 von 174 gültigen Stimmen als Vizepräsident und Eric Nussbaumer (SP/BL) mit 145 von 167 gültigen Stimmen als zweiter Vizepräsident gewählt.
"Wer von Diktatur spricht, liegt falsch"
Thomas Hefti, der 62-jährige Glarner und FDP-Politiker, streifte in seiner Antrittsrede als neuer Präsident des Ständerates drei aktuell grosse Themen für die Schweiz: die Corona-Pandemie, den Klimawandel und das Verhältnis zu Europa.
Zwar sei in den Räten oft zu wenig Zeit geblieben für ein gründliches Abwägen und eine sorgfältige durchdachte Gesetzgebung, sagte Hefti zum ersten Thema. Trotz einiger Fehler sei die Schweizer Corona-Politik aber bisher nicht allzu schlecht gewesen. "Jene, die von Diktatur sprechen, liegen falsch."
Das schwierige Verhältnis mit der EU werde man aushalten - und zugleich müsse man überlegen, was die Schweiz tun wolle, so Hefti weiter. Das Land habe in mancher Hinsicht etwas zu bieten. "Das sollte es nach einiger Zeit erlauben, wieder in konstruktive Verhandlungen zu treten", hofft der neue Ständeratspräsident.
Zu seiner Seite am Präsidentenstuhl hat er zwei Frauen. Zur ersten Vize-Präsidentin wählte der Ständerat Brigitte Häberli-Koller (Mitte/TG). Sie erhielt 43 von 43 gültigen Stimmen. Zweite Vize-Präsidentin wurde Elisabeth Baume-Schneider (SP/JU), ebenfalls mit sämtlichen abgegebenen gültigen Stimmen (43).