Der Nationalrat will untersucht haben, wie das Potenzial der Familienarbeit besser genutzt werden könnte, sowohl im Lebenslauf als auch mit Blick auf die Steuern. Er nahm ein Postulat von Marianne Binder-Keller (Mitte/AG) an.
Ursachen des Lohnunterschieds
Aufgespürt und analysiert haben will der Nationalrat sodann die Ursachen des Lohnunterschieds zwischen Männer und Frauen, mit einem Postulat von Marcel Dobler (FDP/SG). Bei verheirateten Paaren zum Beispiel gebe es gemäss Zahlen vom Kanton Zürich und vom Bund unterschiedliche Löhne, bei Unverheirateten dagegen nicht.
Bei der Arbeit soll niemand wegen seiner Geschlechtsidentität oder der sexuellen Orientierung benachteiligt werden, weder direkt noch indirekt. Das fordert der Nationalrat mit einer Motion von Melanie Mettler (GLP/BE), die Anpassungen im Gleichstellungsgesetz verlangt. Über diese Motion muss der Ständerat noch entscheiden.
Die verschiedenen Geschlechter hätten nicht die selben Bedingungen im Arbeitsmarkt, sagte Mettler im Nationalrat. Und weil Mütter oft aus dem Arbeitsmarkt ausstiegen, gehe viel Potenzial verloren.
Nein zu mehr Lohngleichheitsanalysen
Vier in beiden Kammern eingereichte Vorstösse zum Thema Gleichstellung wiesen beide Räte ab. Beide Kammern wollten betriebsinterne Lohngleichheitsanalysen nicht für mehr Betriebe als heute. Zwei Motionen aus der SP hätten als Schwelle für die Analysepflicht 50 statt wie heute 100 Angestellte setzen wollen.
Die Vorschrift erfasse derzeit gerade mal 0,8 Prozent aller Unternehmen im Land und 46 Prozent aller Arbeitsstellen, wurden diese Motionen begründet. Bei einer Schwelle von 50 Angestellten würden 2 Prozent der Unternehmen erfasst. Nach dem Ja zum höheren Frauen-Rentenalter sei es an der Zeit, die Lohngleichheit umzusetzen.
Auch die Forderung aus der SP-Fraktion nach weniger Arbeitszeit fand in beiden Räten kein Gehör. Branchen und Betriebe müssten zwischen Modellen wie beispielsweise einer 35-Stunden-Woche oder der Vier-Tage-Woche wählen können, forderten diese Motionen vergeblich.
Wie es um die Pink Tax steht in der Schweiz, also um geschlechtsspezifische Preisunterschiede, muss der Bundesrat nicht analysieren. Beide Kammern lehnten Postulate aus der Grünen Fraktion ab. Als Beispiele für betroffene Artikel nannten die Postulantinnen Kinderspielzeug, Hygieneartikel, Kosmetika, Kleidung, Accessoires und Dienstleistungen vom Coiffeur oder von Textilreinigungen.
Unerlaubte Aktion
Die ausserordentliche Session hatten SP und Grüne verlangt. Zu einer unerlaubten Aktion kam es im Nationalratssaal: Auf Geheiss von Nationalratspräsident Martin Candinas (Mitte/GR) mussten zahlreiche Ratsmitglieder vor der Debatte ihre lilafarbenen "Gleichstellung Jetzt!"-Plakate von ihren Pulten entfernen.
Im Ständerat gab es auch kritische Voten zum Streiktag: Dieser drohe, zu einem "Gewerkschaftsprofilierungsversuch" zu werden, sagte Andrea Gmür-Schönenberger (Mitte/LU). Auch Isabelle Chassot (Mitte/FR) gingen die Forderungen der Streikenden zu weit. Frauen und Männer hätten zusammen einiges erreicht.