(sda) Mit der Wahl von Eva Herzog und Eric Nussbaumer in die Präsidien werden im kommenden Jahr gleich zwei SP-Mitglieder aus den beiden Basel die Eidgenössischen Räte präsidieren. Bei ihrer Wahl am Montag in Bern schnitten sowohl die neue Ständeratspräsidentin als auch der neue "höchste Schweizer" in ihren jeweiligen Räten überdurchschnittlich gut ab.

Der seit 2007 im Nationalrat politisierende Baselbieter Eric Nussbaumer (SP/BL) erhielt bei seiner Wahl zum "höchsten Schweizer" 180 von 192 gültigen Stimmen. Der langjährige Mittelwert bei der Wahl zum Nationalratspräsidenten liegt bei 155 Stimmen.

Der 63-jährige Nussbaumer folgt auf den Bündner Mitte-Nationalrat Martin Candinas. Nussbaumer ist der fünfte Nationalratspräsident aus dem Baselbiet und der insgesamt 25. der SP seit 1919.

Die 61-jährige Herzog (SP/BS) erhielt alle 44 gültigen Stimmen. Auch diese Zahl ist im langjährigen Vergleich überdurchschnittlich. Der Durchschnitt der Stimmen für die Wahl des Ständeratspräsidiums liegt bei 42,1. Mit dem Maximum von 45 Stimmen einstimmig gewählt wurden bisher vier Ständeratspräsidentinnen und -präsidenten. Zuletzt war dies bei der letzten Präsidentin Häberli-Koller (Mitte/TG) der Fall. Herzog ist seit 2019 Ständerätin.

Der Kanton Basel-Stadt stellte bis anhin acht Mal einen Ständeratspräsidenten. Geschlechterunabhängig hat der Stadtkanton mit der Wahl von Herzog somit zum neunten Mal das Präsidium der kleinen Kammer inne.

Auch hat die SP derweil zum zehnten Mal seit 1919 das Ständeratspräsidium inne. Herzog ist die sechste Frau - und die erste Baslerin - die das Amt bekleidet. Die 61-Jährige tritt in die Fussstapfen von Josi Meier (1991), Francoise Saudan (2000), Erika Forster-Vannini (2009), Karin Keller-Sutter (2017) und zuletzt der Thurgauer Mitte-Ständerätin Brigitte Häberli-Koller (2023).

"Grenzen überschreiten" und "Graben zuschütten"

Die neue Ratspräsidentin und der neue Ratspräsident hielten nach ihrer Wahl ihre Antrittsreden. Nussbaumer stellt sein Ratspräsidium unter das Motto "Grenzen überschreiten - Horizont erweitern", wie er in einer Kurzrede sagte. Es gelte, auch einmal die scheinbar logische und gefestigte eigene Position in Frage zu stellen. "Wer den eigenen gedanklichen Gartenzaun auch mal niedertrampelt, der wird auch in der politischen Diskussion Wege und Lösungen finden, die tragfähig sind".

Herzog stellte in ihrer Antrittsrede das Verhältnis der Schweiz zur EU und die Berufung auf demokratische Werte ins Zentrum. "Die EU ist zuallererst ein Garant für unsere Grundwerte und für Frieden, also das, was wir auch vertreten", sagte sie den Mitgliedern des Ständerats. "Unsere Beziehungen mit der EU sind gut, aber wir merken bereits heute, dass sie am Erodieren sind."

Herzog zeigte sich erleichtert darüber, dass der Bundesrat bis Ende Jahr ein Verhandlungsmandat verabschieden will. Um die Verhandlungen abzuschliessen, brauche es aber Kompromisse.

Die frischgebackene Ständeratspräsidentin betonte auch die Zentralität der demokratischen Werte. Die Demokratie sei unter Druck, da sie keine schnellen Lösungen liefere. Des Weiteren betonte Herzog ihren Fokus auf die Städte und deren Agglomerationen. Drei Viertel der Schweizerinnen und Schweizer würden in urbanen Gebieten wohnen. "Ich möchte den politischen Stadt-Land-Graben zuschütten."

Büros der Räte sind komplett

Weiter wurden am Montag auch die anderen Mitglieder der Büros der beiden eidgenössischen Räte komplettiert: Erste Vizepräsidentin des Nationalrates und damit voraussichtlich 2025 höchste Schweizerin ist die Aargauer Freisinnige Maja Riniker. Sie wurde im Nationalrat mit 177 von 195 gültigen Stimmen gewählt. Neuer zweiter Vizepräsident der grossen Kammer ist der Freiburger Pierre-André Page (SVP). Er erhielt 155 von 173 gültigen Stimmen. Die Büros der beiden Räte sind damit komplett.

Das Vizepräsidium des Ständerats wurde neu mit dem Ausserrhoder FDP-Politiker Andrea Caroni besetzt. Caroni wurde mit 42 von 42 gültigen Stimmen gewählt. Der Ausserrhoder war im vergangenen Jahr bereits Stimmenzähler im Büro des Ständerats. Als zweiten Vizepräsidenten wählte der Ständerat Stefan Engler (Mitte/GR).