(sda) Der Ständerat fordert vom Bundesrat ein differenziertes Vorgehen bei der Neuregelung von internationalen Adoptionen. Die von der Regierung geplante Vorlage soll ein Ausstiegs- und ein Reform-Szenario enthalten.

Mit der Ankündigung vom Januar 2025, internationale Adoptionen ganz zu untersagen, hatte der Bundesrat Kritik geerntet. Die Rechtskommission des Nationalrates (RK-N) verlangte mit einer Motion von der Landesregierung, auf ihren Entscheid zurückzukommen. Adoptionen im Ausland sollten besser kontrolliert, aber nicht verboten werden.

Dem Ständerat ist diese Forderung zu eng gefasst. Er änderte die Motion so ab, dass der Bundesrat ein Ausstiegs-Szenario und ein Reform-Szenario in die Vernehmlassung gibt. Zudem soll das Recht für Adoptierte gestärkt werden, ihre Abstammung zu kennen. Und die Unterstützung bei der Suche nach ihren Wurzeln soll verbessert werden.

Die angepasste Motion hiess der Ständerat oppositionslos gut. Bevor sie überwiesen wird, muss der Nationalrat noch einmal darüber entscheiden.

Der für das Dossier zuständige Justizminister Beat Jans will eine Variante Ausstieg und eine Variante Reform in die Vernehmlassung geben. Das habe der Bundesrat schon vor dem Einreichen der Motion entschieden. Es solle nun anhand der beiden Varianten eine fundierte Diskussion geführt werden.

Experten waren zum Schluss gekommen, dass bei Adoptionen aus dem Ausland in die Schweiz Missbräuche nicht ausgeschlossen werden können. Zwischen 1970 und 1999 dürften mehrere tausend Kinder aus dem Ausland durch Kinderhandel, mit gefälschten Dokumenten, fehlenden Herkunftsangaben oder andere illegale Praktiken adoptiert worden sein.