(sda) Eine grosse Stärke der Schweiz ist ihre Vielfalt. Das sagte der für das kommende Jahr gewählte Bundespräsident Guy Parmelin in seiner Antrittsrede vor der Vereinigten Bundesversammlung.

"Seinem Land, Kanton oder seiner Gemeinde zu dienen sei eine edle Aufgabe, anspruchsvoll, aber absolut lohnend, wenn das Ziel das Gemeinwohl ist", sagte Parmelin zu Beginn seiner Rede. Das gelte umso mehr in einem so eng verbundenen Land wie der Schweiz.

"Ihr zu dienen bedeutet anzuerkennen, dass wir ein reiches Erbe erhalten haben, das sich insbesondere aus Werten zusammensetzt, deren Erben, vor allem aber deren Hüter wir sind", sagte der Waadtländer. Jede Entscheidung habe allgemeine Auswirkungen und konkrete Folgen für den Alltag aller Mitglieder dieser Gesellschaft.

"Sein Land zu lieben bedeutet, das Beste für es zu wollen, nicht aus Überheblichkeit, sondern mit dem Bestreben, es zu einem gerechteren, offeneren, menschlicheren und wohlhabenderen Ort zu machen", so der 66-Jährige. Für den SVP-Politiker sei es ein Ansporn, seinen Beitrag zum Aufbau einer besseren Zukunft zu leisten.

Vielfalt stärkt die Schweiz

"Wir leben in einem Land, das reich ist an Traditionen, Kulturen, Sprachen und Dialekten", sagte Parmelin, der zum zweiten Mal das Amt des Bundespräsidenten innehaben wird. Menschen auf dem Land dachten oft anders als in der Stadt, hätten andere Traditionen und Lebensweisen. Für den baldigen Bundespräsidenten ist dies kein Hindernis, sondern eine Stärke: "Genau diese Vielfalt macht uns einzigartig."

Stärke entstehe nicht von selbst, sondern sie entstehe, wenn einander zugehört werde, sagte er weiter. Es sei wichtig, weniger zu moralisieren, sondern mehr Lösungen zu finden. "Unsere Gesellschaft braucht keine ständigen Werturteile über die Haltung anderer, sondern den Respekt vor Andersdenkenden", so Parmelin. Meinungsverschiedenheiten brächten die Schweiz weiter. Ausgrenzung koste Energie.

Die Schweiz braucht Pragmatismus

Parmelin führte aus, dass die Schweiz ein gemeinsames Ziel habe: "Ein Land, das funktioniert, das mutig nach vorne schaut und in dem sich jede und jeder aufgehoben fühlt." Das gelinge nur, wenn pragmatisch gehandelt werde und Lösungen gesucht würden, anstatt Probleme zu bewirtschaften oder gar zu zelebrieren.

"Pragmatismus bedeutet nicht, seine Überzeugungen aufzugeben", sagte Parmelin. Es bedeute, miteinander Wege zu finden. Dafür brauche es Nähe, Respekt und die Bereitschaft, einen Schritt aufeinander zuzugehen. Das solle über Sprachgrenzen, regionale Unterschiede, persönliche Befindlichkeiten und Parteipolitik hinweg geschehen.

"Nutzen wir unsere Vielfalt, um gemeinsam stärker zu sein", sagte Parmelin zum Abschluss seiner Rede. "Die Zukunft unseres Landes entsteht nicht im Gegeneinander, sondern im Miteinander."