Diesem ersten offiziellen Besuch eines kroatischen Staatspräsidenten in der Schweiz zwei Jahre nach dem 20-Jahr-Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern gingen u.a. der Besuch von 2011 der damaligen Bundespräsidentin Calmy-Rey in Zagreb und die Kroatienbesuche der parlamentarischen Delegationen von 2012 und 2013 voraus. Der Besuch des kroatischen Präsidenten hat angesichts der grossen Kroatengemeinde in der Schweiz auch symbolische Bedeutung. Zudem geniesst die Schweiz in Kroatien einen guten Ruf, dies vor allem wegen der Wirtschaftshilfe, die sie für den Wiederaufbau dieses Landes geleistet hat.
Bilaterale Beziehungen Schweiz – Kroatien
Seit 1992 sind die bilateralen Beziehungen mit dem Abschluss zahlreicher bilateraler Abkommen ausgebaut worden, so u.a. mit dem Abkommen im Energiebereich von 1993 oder demjenigen über den internationalen Strassenverkehr von 1995. Die Abkommen jüngeren Datums betreffen eher die Zusammenarbeit im Finanz- oder im Steuerbereich, so das Abkommen über die Förderung und den gegenseitigen Schutz von Investitionen oder das im Jahr 2000 in Kraft gesetzte Doppelbesteuerungsabkommen. Regelungspotenzial besteht nach wie vor im wirtschaftlichen Bereich; dies gilt insbesondere für den Tourismus (mittlerweile wird Kroatien jährlich von 200‘000 Schweizer Touristen besucht) und die Schweizer Investitionen. In Kroatien sind bedeutende Reformen zur Verbesserung des Investitionsschutzes und Verminderung der administrativen Hürden im Gange.
Freizügigkeitsabkommen (FZA)
Bei diesem Treffen wurde auch über die Auswirkungen der Abstimmung vom 9. Februar 2014 auf das Freizügigkeitsabkommen (FZA) mit Kroatien diskutiert. Dabei konnte dem kroatischen Staatspräsidenten erläutert werden, wie die Schweiz ab dem 1. Juli 2014 vorgehen wird: Die Kroatinnen und Kroaten werden gleich behandelt werden wie die Bürgerinnen und Bürger der anderen EU-Mitglieder; der Bundesrat sieht für Kroatien diejenigen Kontingente vor, über die das Land verfügt hätte, wäre das Protokoll III zur Ausdehnung des FZA unterzeichnet worden. Damit wird den Kroatinnen und Kroaten also der in diesem Protokoll vorgesehene Zugang zum Schweizer Arbeitsmarkt gewährt. Auch die zuvor in Kroatien erworbenen Berufsqualifikationen sollen von der Schweiz anerkannt werden und so eine bessere Integration auf dem Arbeitsmarkt ermöglichen.