Im Rahmen eines offiziellen Besuchs in Bern kam der Präsident des Parlaments der Republik Moldova, Andrian Candu, mit Nationalratspräsident Jürg Stahl und Ständeratspräsident Ivo Bischofberger zusammen. Dieser Besuch folgte auf eine 2016 von der damaligen Nationalratspräsidentin Christa Markwalder unternommene Reise nach Chişinău anlässlich der Feierlichkeiten zur 25-jährigen Unabhängigkeit der Republik Moldova.

​Die moldawische Delegation wurde am 7. Juni 2017 von Nationalratspräsident Jürg Stahl in Bern empfangen. Im Gespräch mit dem Nationalratspräsidenten und dessen Vorgängerin, Nationalrätin Christa Markwalder (FDP, BE), wurde unter anderem über die laufenden Reformen im moldawischen Gesundheitssektor und die sicherheitspolitischen Herausforderungen für die junge Demokratie diskutiert. Der moldawische Parlamentspräsident Andrian Candu zeigte sich interessiert an einem Austausch und einer Zusammenarbeit mit den Schweizer Parlamentsmitgliedern in den Bereichen Freihandel, Energiepolitik und Stärkung des Finanzplatzes.

Die moldawische Delegation traf anschliessend auch Ständeratspräsident Ivo Bischofberger und sprach mit diesem darüber, wie wichtig es ist, die Ausbildung der jungen Moldawierinnen und Moldawier auf die Bedürfnisse der moldawischen Industrie auszurichten und diese durch die Schaffung von Arbeitsplätzen von der Abwanderung ins Ausland abzuhalten.

Andrian Candu, der grosses Interesse an der Neutralitätspolitik der Schweiz zeigte, hatte Gelegenheit, sich mit dem Präsidenten der Aussenpolitischen Kommission des Ständerates, Christian Levrat (SP, FR), und mit dem Leiter der Direktion für Völkerrecht des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), Botschafter Roberto Balzaretti, über dieses Thema zu unterhalten. Die Schweizer Seite hob hervor, dass die Neutralitätspolitik der Schweiz weiterentwickelt und angepasst wurde, namentlich im Zusammenhang mit dem Beitritt zur Organisation der Vereinten Nationen (UNO) im Jahr 2002. Das Neutralitätsrecht verbietet es der Schweiz, an bewaffneten Konflikten teilzunehmen, Krieg zu führen oder kriegsführende Länder finanziell zu unterstützen. Die Neutralitätspolitik ihrerseits hängt von den Entscheiden des Bundesrates und der Bundesversammlung ab. Das moldawische Parlament prüft derzeit einen Entwurf für ein Neutralitätsgesetz mit dem Ziel, mehr Sicherheit und Stabilität in diese Region zu bringen, die seit den Neunzigerjahren vom eingefrorenen Transnistrien-Konflikt belastet wird.

Im Gespräch mit Botschafter Manuel Sager, Direktor der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), dankte der moldawische Parlamentspräsident der Schweiz für deren aktive Unterstützung im Gesundheitsbereich und auf dem Gebiet der Wasserversorgung. Die DEZA unterhält seit 2000 ein Kooperationsbüro in Chişinău. Manuel Sager wies auf die Strategie 2018–2021 der DEZA für Moldawien hin, welche unter anderem vorsieht, durch die Unterstützung des privaten Sektors die Berufsbildung zu fördern.

Ferner fand im Rahmen dieses Besuchs eine Unterredung von moldawischen Abgeordneten, die Mitglieder der nationalen Kommission für Sicherheit beziehungsweise der für die Prüfung der Gesetze zuständigen Kommission sind, mit René Bühler, dem stellvertretenden Direktor von fedpol, statt. Im Mittelpunkt dieses Treffens stand die Bekämpfung von Terrorismus, Kriminalität und illegaler Einwanderung.

Dieser offizielle Besuch erwies sich für beide Seiten als äusserst interessant und aufschlussreich. Moldawien und die Schweiz unterhalten seit 1992 sehr gute Beziehungen. Die beiden Länder weisen viele Gemeinsamkeiten auf: Beide sind relativ kleine, neutrale und multikulturelle Staaten. Andrian Candu präsidiert das moldawische Parlament, das 101 Sitze umfasst und alle vier Jahre neu gewählt wird, seit Januar 2015.