Sie drehen sachte von links nach rechts und wieder zurück, sie ändern den Neigewinkel, lassen ihre Objekte zoomen und scharf stellen: Die sechs im Nationalratssaal befestigten Fernsehkameras bewegen sich wie von Geisterhand betrieben. Könnte man meinen.
Schräg gegenüber dem Parlamentsgebäude, auf der anderen Seite der Gasse und einige Meter unter Tag, sitzen zwei Mitarbeiter des Produktionszentrums Bundeshaus der SRG am Regiepult. Vor ihnen befinden sich unzählige, in diversen Farben leuchtenden Knöpfe, Regler, Hebel und Schalter. Von hier steuern sie die Kameras, die diskret das Geschehen im Rat aus verschiedenen Blickwinkeln einfangen.
Auf zwei kleineren Monitoren und einem grösseren ist Bundesrat Alain Berset zu sehen, mal von vorne, mal von der Seite. Zwei Einstellungen liefern Bilder aus den Sitzreihen, zwei weitere zeigen Ratspräsident Dominique de Buman und den Saal aus der Totalen. Der rote Balken am unteren Rand eines Screens signalisiert, dass der Innenminister in diesem Moment auf live auf Sendung ist und sein Votum auf
www.parlament.ch oder einer anderen Internetplattform verfolgt werden kann.
Unzählige Knöpfe, Schalthebel und Regler. Zwei SRG-Mitarbeiter bedienen die Kameras im Nationalratssaal vom Medienzentrum aus.
Im Nebenraum befindet sich die Regie des Ständerates. Hier ist es ruhig, die Sitzung hat noch nicht begonnen. Auf den Monitoren sind lediglich Standbilder ist des leeren Saales zu sehen. Obwohl die kleinere der beiden Kammern, sind für die Übertragung der Ratsdebatten mehr Kameras nötig. Im Gegensatz zu den Nationalrätinnen und Nationalräten sprechen die Mitglieder des „Stöcklis“ von ihren Pulten aus. Deshalb zeigen zwei Computer-Bildschirme die Sitzordnung, darauf vermerkt sind der Name des Ratsmitglieds und die Nummer der für diesen Sitzplatz programmierte Kamera.
Als Produktionspartner von Parlamentsdiensten und Bundeskanzlei zeichnet das Studio Bundeshaus lückenlos die Debatten des National- und Ständerates sowie alle Pressekonferenzen des Bundesrates auf. Parlament und Regierung publizieren diese Aufnahmen intern und extern und stellen sie allen Medienschaffenden zeitgleich und im Sinne eines Service Public kostenlos zur Verfügung.
Im Medienzentrum werden Video- und Audiosignale zudem zusammengeführt und via Glasfaserkabel auf den Server der Parlamentsdienste geschickt. Von dort aus gelangt der Live-Stream in Originalsprache sowie in Simultanübersetzung während der Session auf die Startseite
www.parlament.ch und wird im Auftrag der Parlamentsdienste von einer externen Firma mit Bauchbinde-Informationen – das sind Angaben zum laufenden Ratsgeschäft sowie zur Rednerin oder zum Redner – ergänzt.
Nationalrätin Rebecca Ruiz äussert sich zu einer Vorlage von Gesundheitsminister Alain Berset. Der Live-Stream wird mit Bauchbinden-Informationen ergänzt.
Das Filmmaterial verschwindet nicht einfach in den Archiven, sondern bleibt der Öffentlichkeit zugänglich. Während der Live-Stream läuft, wird im Hintergrund jedes einzelne Votum aus den Aufzeichnungen herausgeschnitten und zum jeweiligen Wortprotokoll des Ratsmitglieds gestellt. Interessierte finden dort auch die vollständige Debatte zu jedem einzelnen Geschäft. Beides kann jederzeit als Video on Demand abgerufen, heruntergeladen oder auf eine eigene Internetseite eingebettet werden.
Wer also heute an einer Sitzung von National- und Ständerat dabei sein will, muss das nicht mehr von den Besuchertribünen im Parlamentsgebäude in Bern tun. Der Zugang zu allen Debatten ist über den Computer, das Smartphone oder über ein Tablet ist uneingeschränkt möglich. Ein Meilenstein auf dem Weg zu mehr Transparenz in der Politik.