Es ist später Nachmittag. Und die Nacht beginnt bereits, das Bundeshaus und damit auch das Büro des Ständeratspräsidenten in ihren Beschlag zu nehmen. Ein grosses, mit wertvollem Holz getäfertes Zimmer, mit einem wunderbaren Blick auf den Bundesplatz. Es ist die Zeit der letzten Herbsttage vor der Winterzeit, auch die Stunde der zweiten Welle, die über Europa hereinbricht. Genauso abrupt wie plötzlich trifft sie uns mit voller Wucht. Eine Intensität, die ganz Europa überrascht hat!
Am Tag dieses Interviews, dem 28. Oktober 2020, hat der Bundesrat ein umfangreiches Maßnahmenpaket für die ganze Schweiz angekündigt. Eine Antwort auf die Vielfalt der von den Kantonen beschlossenen Einschränkungen, welche für die Bevölkerung nicht in allen Teilen verständlich sind.
Gemäss einer Vereinbarung zwischen dem, Departement des Innern, dem Bundesamt für Gesundheit und der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren gilt, dass in der besonderen Lage jeder Kanton berechtigt ist, bei Bedarf noch strengere Maßnahmen zu beschliessen. Das Dokument, in dem die Kriterien und Alarmschwellen für die verschiedenen Massnahmenstufen gegen die Epidemie festgelegt sind, lag seit mehreren Wochen auf dem Tisch, ist aber erst am 22. Oktober in Kraft getreten!
Dieses Dokument steht im Einklang mit den Fragen, welche die ständerätliche Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK) dem Bundesrat mit Schreiben vom 4. September 2020 gestellt hat. Und dieses Schreiben basierte auf den Feststellungen, welche die Präsidentin des Nationalrats Isabelle Moret und der Präsident des Ständerates Hans Stöckli, auf ihrer Tour des Cantons gemacht hatten.
Mit der Organisation einer Aussprache zwischen den Mitgliedern der nationalrätlichen SGK, einer Vertretung der Kantonsärzte und der Swiss National COVID-19 Science Task Force (Task Force), wurde die Tour des Cantons abgeschlossen. Die zwei wichtigsten Feststellungen waren: Die Epidemie ist wieder mit voller Wucht ausgebrochen und das Rückverfolgungssystem ist überlastet.
Zwei Tage nach diesem Treffen, d. h. am 10. Oktober, warnte die Task Force eindringlich vor der Ernsthaftigkeit des Wiederaufflammens der Epidemie. „Anlässlich unserer Aussprache hat insbesondere Herr Professor Laurent Kaiser, Abteilungsleiter für Infektionskrankheiten der Hôpitaux Universitaires de Genève HUG darauf hingewiesen, dass nach der zweiten Welle auch die Dritte kommen wird, wie dies in anderen Epidemien auch geschehen sei. Demnach müssen wir uns ebenfalls auf diese dritte Welle einstellen“, betont Hans Stöckli besorgt.
"Es ist möglich, die zweite Welle zu brechen, ohne über den Impfstoff zu verfügen“, ist Isabelle Moret überzeugt. "Das ist die Botschaft, die uns am 15. Oktober Dr. Tedros Adganom Ghebreyesus, der Direktor der Weltgesundheitsorganisation WHO, in Genf übermittelt hat. Mit Disziplin und Strenge, strikter Einhaltung der Abstandsregeln und der Verringerung unserer sozialen Kontakte; so wie wir es bereits im Frühjahr getan haben".
Zurück zu dieser Tour des Cantons zwischen der ersten und zweiten Welle. Mitten im Sommer reisten die Präsidentin des Nationalrates, Isabelle Moret und der Präsident des Ständerates, Hans Stöckli, durch die Schweiz, die 11 Kantone, die im Frühjahr am stärksten von der Coronavirus-Epidemie getroffen worden sind.
Ziel ist es, den Puls der Bevölkerung zu fühlen, den Verlauf der ersten Welle zu verstehen um sich auf die zweite vorzubereiten. Gleichzeitig soll ein Bild von der Schweiz gemacht werden, nach der Erschütterung, welches das Auftreten dieser neuen Krankheit verursacht hat, mit dem Lockdown und der Schließung der Schulen, mit der Angst vor der unbekannten Virulenz dieser Krankheit, mit der Welt im Stillstand und der Schweiz in der Verlangsamung.
Von Lugano nach Delémont, von Genf nach Chur, von Lausanne bis Basel, über Biel, Sion, Freiburg und Bern, die meisten Stationen in der Westschweiz oder den grenznahen Kantonen gelegen. Wie ist die Schweiz in ihrer Diversität von dieser Pandemie getroffen worden? Hat das Gesundheitssystem der Herausforderung Stand gehalten? Wird es in der Lage, bei der zweiten Welle oder sogar der dritten Welle koordiniert zu handeln? Welches sind die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen dieser Pandemie?
Im Laufe der Begegnungen entstanden starke Zeugnisse und schockierende Bilder. Wie die „caravane de solidarité „, die Armut aufdeckt und Menschen vereinigt, welche stundenlang warten, um einen Sack Essen im Wert von 20 Franken zu erhalten. "Die Verteilung von Lebensmitteln in Genf war ein eindrückliches Erlebnis", erinnert sich Hans Stöckli. Dort bekam ich einen gelebten Eindruck von der Tiefe der Krise und der Härte des Covid-Effekts". "Das hat mir gezeigt, wie wichtig die Schule ist", sagt Isabelle Moret. "Natürlich für den Unterricht, aber hier in Genf auch für den kostenlosen Zugang zu den warmen Mahlzeiten für die benachteiligten Kinder, welche dort oftmals ihre einziges warmes Essen erhalten".
Eine „Tour des Cantons“, welche schonungslos das Ausmaß der Wirtschaftskrise und der sozialen Folgen dieser Gesundheitskrise erkennen lässt. Kleine Händler, die darum kämpfen, ihren Kopf über Wasser zu halten, Unternehmen, die das Ende der Kurzarbeitsentschädigung befürchten und isolierte ältere Menschen in ihren Alters- und Pflegeheimen, welche aus Angst vor Ansteckungen ihre nächsten Verwandten nicht mehr empfangen dürfen. Aber zu welchem Preis? Zum Beispiel, dass sie ihre Enkel nicht mehr in ihre Arme nehmen dürfen.
Von Besuch zu Besuch eine Erleichterung: Das Gesundheitssystem musste seine Angebote hochfahren, aber es hielt durch, es war nie überfordert. Aber bei jeder Diskussion musste immer die gleiche Feststellung gemacht, die gleiche Sorge geteilt werden: der Mangel an Koordination auf verschiedensten Ebenen. Zwischen den Kantonen, zwischen Kantonen und Bund, zwischen dem privatem und dem öffentlichen Sektor, aber auch bei der Implementierung von digitalen Hilfsmitteln, um die Daten zu analysieren und den Patientenfluss zu verwalten. Auf diesen Mangel an Koordination haben die Präsidentin des Nationalrates und der Präsident des Ständerates in der Bundespolitik aufmerksam gemacht.
Der Horizont, mitten im Sommer, scheint klar zu sein. Die Epidemie ist unter Kontrolle, die Rückverfolgung und die Quarantäne sind wirksam. Der Wunsch zu leben, die Notwendigkeit, die Arbeit wieder aufzunehmen, das Bedürfnis, die soziale und wirtschaftliche Notlage zu bewältigen, gewinnen die Oberhand. Das Motto lautet: "Lernen, mit dem Virus zu leben"!
Das Coronavirus ist unsichtbar. E ist schlau, lauert überall und zirkuliert leise. Das Wiederaufflammen der Epidemie im Spätsommer ist unausweichlich. Die Aussage „Wir müssen die zweite Welle auch ohne Impfstoff brechen“ scheint sich leider zu bewahrheiten.
Interview vom 28. Oktober 2020: Chronik eines Sommers zwischen zwei Wellen, reich an herzlichen Begegnungen, Diskussionen, Besuchen und Erkenntnissen. Warum haben Sie diese Tour der 11 am stärksten betroffenen Kantone unternommen?
Isabelle Moret, Präsidentin des Nationalrates (IM): Die Idee war, dass wir, die beiden Vertreter des Bundesparlaments, all jenen danken können, die sich während dieser ersten Welle stark engagiert haben, insbesondere das Personal in den Krankenhäusern und in den Alters- und Pflegeheimen. Das war ein historischer Schritt! Zum ersten Mal arbeiteten die Präsidenten der beiden Kammern ein ganzes Jahr lang sehr eng zusammen, speziell auch während dieser „Tour des Cantons“.
Hans Stöckli, Präsident des Ständerates (HS): Isabelle Moret hat immer gute Ideen! Ich bin froh, dass ich meinen Urlaub unterbrochen habe, um sie zu begleiten. Es war eine außergewöhnliche Erfahrung, als Präsident der Kammer der Kantone zu sehen, wie sich die am stärksten Betroffenen organisiert haben, um mit der ersten Welle fertig zu werden und die zweite zu vermeiden. Leider, wie wir heute sehen, nicht mit dem erwarteten Erfolg!
Ihre „Tour des Cantons“ begann im Tessin, dem ersten Kanton, der von der Pandemie betroffen war und auch am stärksten unter der ersten Welle gelitten. Welche Erinnerung bleiben Ihnen?
HS: Der Stolz der Verantwortlichen, den kantonalen Krisenstab COVID-19 am Tag unseres Besuchs offiziell auflösen zu können; der Stolz, die erste Welle im Tessin, gemeistert zu haben.
IM: Dieser Besuch bot auch die Gelegenheit, den Tessiner Behörden und der ganzen Bevölkerung einzugestehen, dass der vom Bundesrat angeordnete Lockdown für das Tessin etwas verspätet erfolgt ist. In der ersten Phase der Pandemie fühlte sich das Tessin im Stich gelassen. Unsere Tour, die ganz auf Italienisch geführt wurde, sollte als starkes Zeichen der eidgenössischen Verbundenheit wahrgenommen werden.
Forschung, Technologie, Innovation.
Im Tessin wurde auch das Besuchsprogramm der Forschungs- und Kompetenzzentren gestartet. Welches waren die Höhepunkte?
HS: Tessin zweifellos der Besuch des IRB, des Forschungsinstituts für Biomedizin in Bellinzona, einem hochmodernen Forschungszentrum, das seinerzeit einen Impfstoff auf Antikörperbasis zur Behandlung von Ebola entdeckte. Es ist wichtig, auch auf dem jenigen Pfad zu forschen, der bei einer früheren Pandemie ein erfolgreicher war.
IM: Ich kannte weder die Existenz dieses Forschungszentrums noch die Tatsache, dass es weltweit führend ist. Ebola erschien mir wie ein entferntes Virus. Eine der Lehren dieser „Tour“ ist der Reichtum und die Fülle unserer Forschungs- und Kompetenzzentren.
Das Labor P4 der HUG
HS: In Genf ist der Besuch des Labors P4 in den „Hôpitaux Universitaires de Genève“ HUG, unvergesslich!
In diesem stark gesicherten Labor wurde der erste Coronavirus-Fall in der Schweiz am 25. Februar von Prof. Kaiser und seinem Team entdeckt. Und leider ist er jetzt überall verbreitet.
IM: Es war die erste und sehr bereichernde Begegnung mit Prof. Kaiser. Wir haben ihn nachher noch oft getroffen und er hat bei verschiedenen Gelegenheiten eindrucksvoll auch das Funktionieren der COVID-19-Tests, vor allem auch die Antigen-Schnelltests, erklärt.
In den HUG hatten wir die Gelegenheit, das zentrale Laboratorium, das Nevenzentrum bei der Krisenbewältigung, zu besuchen. Dort entdeckte ich die Roche Test-Maschine, die viele PCR-Tests gleichzeitig durchführen kann: ein hochmodernes Gerät, das nur wenigen Labors zur Verfügung steht.
Ein innovatives Wallis!
IM: Die Entdeckung eines innovativen Wallis stand im Mittelpunkt dieser beiden Tage. Uns wurde die Gelegenheit geboten, Start-ups zu besuchen, zum Beispiel die Firma Augurix, die einen schnellen serologischen Test produziert, um herauszufinden, ob die Testpersonen Antikörper gegen das Virus entwickelt haben. Aber auch die Lonza, ein Unternehmen, das einen Auftrag erhalten hat, den Impfstoff der Firma Moderna zu produzieren, wenn es soweit ist. Aber der Lonza ist es gelungen, mit der Firma Moderna einen langfristigen Vertrag zu unterzeichnen, der sie auch schützt, wenn der Impfstoff auf sich warten lässt.
HS: Meine stärkste Erinnerung ist ebenfalls der Besuch bei der Lonza. Als wir im August vorbeikamen, sagten uns die Verantwortlichen am Standort Visp, wo der Impfstoff der Firma Moderna hergestellt werden soll, dass die klinische Studie des Impfstoffs in Phase 3 sei. Und jetzt freuen wir uns darauf! Es scheint bald so weit zu sein.
Die Lehre aus diesem Treffen ist übrigens, dass nicht sichergestellt ist, dass in der Schweiz hergestellte Produkte auch für unseren Schweizermarkt bestimmt sind. Deshalb hat sich der Bundesrat vertraglich einen Teil der Impfstoffproduktion sichern lassen.
In Graubünden, einer der weltweit führenden Beatmungsgeräte
HS: Ähnliche Fragen stellten sich bei der Firma Hamilton, eine weltweit führende Herstellerin von Beatmungsgeräten. Das Unternehmen gehört einer amerikanischen Familie, wird aber von einem Schweizer geführt. Letzterer hat uns von seinem Kampf erzählt, den er zu führen hat, damit der Vertrieb seiner Produkte auch für die Schweiz gewährleistet ist.
Eine ihrer Fabriken befindet sich in Rumänien. Ein neues rumänisches Gesetz bestimmt, dass die an rumänischen Standorten hergestellten Produkte auch in Rumänien verkauft werden müssen. Deshalb wurde die Produktion in Rumänien aufgegeben und in ein anderes Land verschoben! Das bedeutet also auch, dass nationale politische Entscheidungen durch global tätige Unternehmungen ausgehebelt werden, wenn es die wirtschaftliche Logik gebietet.
IM: Auch ich war sehr beeindruckt vom Besuch bei der Firma Hamilton, die einfach unglaublich modern ist und einen agilen Manager hat. Er erklärte uns, wie er die Strategie seines Unternehmens entworfen hat, um gestärkt aus der Pandemie herauszukommen.
Tourismus
Der Tourismus, eine Herausforderung in diesen Sommer, eine grosse Unbekannte für diesen Winter. Ein zentrales Thema Ihrer Diskussionen in diesem Sommer?
IM: Wir beide hatten in der Junisession einen Appell an die Bevölkerung gerichtet, die Ferien in der Schweiz zu verbringen. Und tatsächlich haben zahlreiche Schweizerinnen und Schweizer ihr eigenes Land kennen gelernt. Diese erfreuliche Tatsache wurde uns von allen Touristikerinnen und Touristikern – vom Tessin und vom Jura aber auch vom Wallis und Bündnerland, bestätigt.
HS: Als Präsident der Tourismusdestination Jura&Drei-Seen-Land habe ich natürlich eine besondere Sensibilität für die Geschehnisse in diesem Bereich. Im Jura habe ich den festen Willen des Wirtschaftsministers geschätzt, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um den Tourismus in diesem Sommer mit konkreten Massnahmen zu fördern, wie der Bereitstellung zusätzlicher Plätze für Wohnwagen oder durch Unterstützung touristischer Aktivitäten. Und es hat geklappt: Viele Schweizerinnen und Schweizer haben ihre Ferien im Jura verbracht. Mehr als sonst!
IM: Im Bündnerland sagten uns die Tourismusverantwortlichen mitten im Sommer: "Jetzt müssen die Corona-Schutzmassnahmen für die Skisaison auf nationaler Ebene vorbereitet werden, und zwar in Absprache mit unseren Nachbarländern wie Österreich".
Die Krise des Coronavirus hat sich bereits stark auf den Bergtourismus ausgewirkt. Wie muss man sich mitten in der zweiten Welle auf den kommenden Winter vorbereiten?
HS: Es ist kein Zufall, dass die Walliser als erste drastische, aber befristete Maßnahmen ergriffen haben. Mit dieser Entscheidung hoffen sie, die wichtigste Saison, den Winter, retten zu können.
Heute, am 28. Oktober, hat der Bundesrat seine Beschlüsse nicht befristet. Für beide Lösungen gibt es gute Argumente. Aber gerade für die Skidestinationen sind die unbefristeten Massnahmen äusserst heikel.
IM: Ich teile diese Ansicht voll und ganz. Die Skisaison ist die wichtigste Touristensaison in unseren Bergregionen, und jetzt, Ende Oktober, geht es um sein oder nicht sein in diesem Winter. Es ist jetzt sehr wichtig, dass die Zahl der Infektionen abnimmt, damit die Menschen im In- und Ausland keine Angst haben, zum Skifahren zu kommen.
HS: Die Sicherheitskonzepte sind gut etabliert, auch für die Gondelbahnen und Skilifte. Das sollte funktionieren. Es bleibt abzuwarten, ob die Kundschaft die Angst überwinden wird. Natürlich ist es wichtig, Ski zu fahren, aber es ist natürlich immer noch wichtiger, das Virus nicht zu bekommen! Deshalb habe ich Bedenken... Ich persönlich werde in diesem Winter sicher auf den Skiern sein.
Grenzüberschreitende Regionen
Die erste Welle traf besonders die Grenzkantone, wegen ihrer Nähe zu Bergamo in Italien oder Mülhausen in Frankreich. War es richtig, im Frühling die Grenzen zu schließen?
HS: Gerade in Basel wurden wir auf die Folgen der Schließung der Grenzen eindrücklich aufmerksam gemacht. Die Bevölkerung, welche am Dreiländereck friedlich zusammen lebt, ohne auf die Grenzen achten zu müssen, wurde geteilt. Das ist inakzeptabel.
Glücklicherweise wurde im neuen Covid-Gesetz ein Artikel 6 eingeführt, der den Bundesrat verpflichtet, bei Grenzschliessungen die Reisefreiheit der Einwohnerinnen und Einwohner der Grenzregionen und der Grenzgängerinnen und Grenzgänger bestmöglichst zu gewährleisten. Dies ist eine Konsequenz aus den gemachten Erfahrungen in den Kantonen Basel-Stadt, Basel-Land, Tessin, Genf, Neuenburg und Jura.
Der Genfer Flughafen wurde von der Coronavirus-Krise mit voller Wucht getroffen. Der Flugverkehr ist eingebrochen. Viele Reisende riskierten bei ihrer Ankunft in der Schweiz die Quarantäne. Waren die Kontrollen ausreichend?
IM: Diese „Tour“ gab uns die Gelegenheit, den Flughafen Genf zu besuchen, das Tor zum internationalen Tourismus in der Schweiz, aber auch das Tor zum internationalen Genf. Und hier haben wir uns auch zur Frage der Quarantäne von Reisenden aus gefährdeten Ländern ausgetauscht.
HS: Und leider mussten wir feststellen, dass sich die Flughäfen Zürich und Genf nicht auf eine einheitliche Praxis verständigen konnten, insbesondere ob und wie die Passagierlisten der Fluggesellschaften den Behörden weitergeleitet werden. Die Rückverfolgung der Infektionen ist für mich zentral und muss immer gemacht werden. Und beim Besuch in Genf wurde uns erklärt, dass ein gewichtiger Teil der Neuinfektionen von Rückkehrerinnen und Rückkehrern aus dem Ausland stammte. Die Grenze ist als eine Eingangstüren für das Virus.
Testen, verfolgen, isolieren. Ein Triptychon im Zentrum der Diskussionen dieses Sommers, insbesondere mit den Gesundheitsdirektorinnen und Gesundheitsdirektoren und den Kantonsärztinnen und Kantonsärzten. Welche Lehren lassen sich daraus ziehen?
HS: Rückverfolgung! In Delémont wurde mir zum ersten Mal klar, wie wichtig diese Aufgabe ist. Das bedeutet, alle Personen zu identifizieren, die mit einer positiven Person in Verbindung gestanden sind, um zu versuchen, die Übertragungsketten zu unterbrechen und so das Virus zu beherrschen.
IM: Das Binom, Rückverfolgung und Kantonsarzt. Der jurassische Kantonsarzt ist der erste, den wir getroffen haben. Wir konnten ihm alle unsere Fragen vor Ort zu stellen: Wie funktioniert die Rückverfolgung, wie werden die Entscheidungen über die Isolation und die Quarantäne getroffen, wie wird diese Verfügung den Betroffenen mitgeteilt? Wir haben uns ein Bild machen können von der riesigen Ameisenarbeit, welche die Kantone im Bereich der Rückverfolgung geleistet haben. Eine Arbeit, welche dazu beigetragen hat, dass die Epidemie im Sommer unter Kontrolle war.
IM: In Genf, Ende Juli, am Tag, als der Regierungsrat des Kantons Genf beschlossen hatte, alle Nachtklubs und Diskotheken zu schliessen, konnten wir uns vor Ort ein Bild über die Rückverfolgungstätigkeit machen. Die Kantonsärztin musste innert kurzer Zeit neue Räumlichkeiten finden und einrichten und zahlreiche Personen rekrutieren. An diesem Tag wurden gerade Polizistinnen und Polizisten in Ausbildung in diese Arbeit eingeführt.
Ich erinnere mich auch an das Bild dieses riesigen weißen Blattes, welches mit gezeichneten Spinnweben bedeckt war: das Bewegungsmuster eines positiv getesteten Menschen, der am Tag zuvor in mehreren Diskotheken unzählige Kontakte hatte, mit dem Potenzial eines Superspreaders. Und ohne dass er es wusste.
HS: Ja, ein starkes Bild diese "Spinne" an der Wand. Eine Person alleine kann an einem Abend so viele andere anstecken. Und was mich besonders beschäftigte war, dass eine positiv getestete Person zwischen 40 bis 60 Anrufe generiert, um die Menschen zu kontaktieren, mit denen er in den letzten 48 Stunden Kontakt hatte. Das bringt das System an seine Grenzen.
Mitten im Sommer hatte man den Eindruck, dass die Grenzen für die Rückverfolgung an mehreren Orten in der Schweiz erreicht wären, wie zum Beispiel in Freiburg. Dort wo am Tag Ihres Besuches mehrere Ansteckungsherde in Bars identifiziert wurden. Ist die Schweiz bereit, das Tempo zu erhöhen?
IM: Die Rückverfolgung, das beherrschen die Kantonsärztinnen und Kantonsärzte. Sie machten es bisher vor allem bei Maserinfektionen, ein paar Fälle pro Jahr. Die Pandemie verlangte unverhofft ein Tracing im grossen Stil, was eine grosse Umstellung innert kurzer Zeit bedeutete. Da hat uns der Rückstand bei der Digitalisierung in unserem Land eingeholt. Zweifellos würden digitalisierte Prozesse auch die Arbeit der Kantonsärzte und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erheblich erleichtern.
Die Kantone verwenden in den verschiedenen Aufgabenbereichen auch unterschiedliche Systeme, welche oftmals nicht untereinander kompatibel sind. Da ist der Bund dringend gefordert.
In einigen Kantonen dauert es mehrere Tage, bis die Testresultate bekannt sind. Der Kantons Neuenburg empfiehlt sogar eine Selbst-Quarantäne-Erklärung, ohne einen Test zu durchlaufen. Ist das ein Eingeständnis des Scheiterns unserer Teststrategie
IM: Ja, es ist ein Eingeständnis des Scheiterns. Vor allem, da alle Experten empfehlen zu testen, zu verfolgen und zu isolieren. Und jetzt soll die Rückverfolgung wieder aufgegeben werden, wie im Frühling, als uns in der Schweiz die Tests und die Reagenzien fehlten. Anmerken muss ich, dass die Privatwirtschaft auch im Frühling über Testkapazitäten verfügte. In Basel-Land besuchten wir Anfang August das Viollier-Labor. Dort stehen etwa zehn PCR-Maschinen zur Verfügung, während in den Universitätsspitälern nur ein oder zwei Geräte im Einsatz sind. Der Vorteil dieser Maschinen liegt darin, dass sie andere Reagenzien verwenden als die Roche-Geräte, eine Diversifizierung also, welche die Abhängigkeit bei Engpässen verringert.
Mit einer Verbesserung der Koordination könnte der Testzugang auch erleichtert werden, weil die Testzentren unterschiedlich belastet sind und die Patienten nicht wissen, wo sie sich schneller testen könnten.
HS: Ich stimme zu, das ist ein Zeichen des Scheiterns, da nicht genügend Tests zur Verfügung stehen. In einem Land wie dem unseren ist das ein Signal, das mir nicht gefällt, denn wir sollten über die notwendigen Mittel verfügen, um die Leute zu testen, die es tun möchten. Von nun an werden die Schnelltests zur Verfügung stehen. Die Situation ist ernst, alles muss getan werden, um die Welle zu brechen.
IM: Die Schnelltests haben uns schon in diesem Sommer begeistert. Ich freue mich daher, dass der Bundesrat sie zugelassen hat. Es bleibt noch, ihre Anwendung bei den Hausärzten und Apothekern zu implementieren.
Was ist Ihre größte Enttäuschung, wenn es um die Rückverfolgung geht?
HS: Die SwissCovid App! Sie hat sich bisher nicht bewährt. Bis Mitte Oktober hatte sie nur 130 positive Fälle festgestellt, während wir Tausende von Fällen pro Tag haben. Dennoch könnte es eine Lösung sein, um die Tracing-Teams zu unterstützen.
Zu viele kantonale Teams sind überfordert und nicht mehr in der Lage, die Rückverfolgung effizient zu machen. Die Unterbrechung der Übertragungsketten ist jedoch entscheidend, um die Epidemie unter Kontrolle zu bringen.
Wie kann man mit Quarantäne umgehen und wie kann man sie optimieren?
IM: Der Freiburger Kantonsarzt Thomas Plattner war der erste, der uns darauf aufmerksam machte, dass eine Quarantäne von 10 Tagen lang sei. So sehr, dass es einige davon abhalten könnte, sich testen zu lassen. Die Wirksamkeit einer Quarantäne im Zusammenhang mit positiv Getesteten ist nachweislich hoch. Bei der Quarantäne von Menschen, die aus Risikoländern zurückkehren, sieht das anders aus. Und das waren eine Menge Leute, die deshalb unter Quarantäne gestellt wurden.
Interkantonale Koordination, Föderalismus, Kompetenzregelung zwischen den Kantonen und dem Bund. Wie sieht die Bilanz Ihrer Begegnungen aus?
IM: Diese Interaktionen und diese Koordination gibt es, aber die Plötzlichkeit und Intensität dieser Krise hat alle überrascht. Wir haben erkennen müssen, dass die Art und Weise, wie wir uns koordinieren, nicht schnell und effizient genug ist. Deshalb haben wir die verschiedensten Regionen unseres Landes besucht.
Wir haben bei den Gesprächen mit dem Präsidenten der Gesundheitsdirektorenkonferenz, dem Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger und anderen Gesundheitsdirektrinnen und Gesundheitsdirektoren gemerkt, dass die Empfindlichkeiten und Erwartungen sehr unterschiedlich waren. Was sich dadurch erklärt, dass die Betroffenheit in der ersten Welle auch unterschiedlich war. Bekanntlich viel stärker betroffen waren die Westschweiz und das Tessin, der Kanton Graubünden und die beiden Basel. Sie haben sich deshalb während des Sommers auch besser koordiniert und schneller auf den Beginn der zweiten Welle reagiert.
HS: Wir haben die Kantone zu dem Zeitpunkt besucht, als die Zuständigkeit für die Massnahmen wieder in ihren Händen lag, als der Bundesrat von der außerordentlichen zur besonderen Lage übergegangen ist. Damals war die Epidemie unter Kontrolle, und wir konnten feststellen, dass die lokalen Besonderheiten respektiert wurden.
Vor kurzem, im Herbst, haben wir mehrere Gesprächspartner des Sommers wieder getroffen und insbesondere die Gesundheitsdirektoren haben sich dafür eingesetzt, dass der Bundesrat auch Massnahmen für das ganze Land beschliesst. Ergänzt durch die Möglichkeit, auf kantonaler Ebene bei Bedarf auch strengere Massnahmen anzuordnen. Dieses anspruchsvolle Suchen nach einem Gleichgewicht zwischen dem Zentralismus und Föderalismus leistet sicher auch einen Beitrag zur besseren Akzeptanz dieser Einschränkungen in der Bevölkerung.
Was sind Ihre markantesten Erinnerungen an diese „Tour des Cantons“?
HS: Der Besuch bei der WHO, der Weltgesundheitsorganisation, einem Stützpfeiler des internationalen Genf. Gerade jetzt leistet sie einen unschätzbaren Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie. Ich unterstütze diese Organisation trotz aller Kritik und bin klar der Meinung, dass sie es verdienen würde, von der Schweizer Bevölkerung noch mehr geschätzt zu werden.
IM: Das Treffen mit Tedros Adganom Ghebreyesus, dem Direktor der WHO, ermöglichte es uns, mit ihm über die Bedeutung dieser Organisation, ihrer komplizierten Beziehungen zu den USA und ihrem Mangel an Finanzmitteln zu sprechen. Ich war überrascht, dass ihr jährliches Budget dem eines großen Spitals in der Schweiz vergleichbar ist und dies einschließlich der Finanzierung von Impfkampagnen wie der Tuberkulose-Kampagne.
HS: Als Bernischer Ständerat war für mich der Besuch im Kanton Jura natürlich etwas Besonderes. Und das Erstaunlichste war die hohe Anzahl von Polizisten, die für unsere Sicherheit sorgten. Ich habe mich gefragt, ob es wegen meiner Herkunft war? (Lachen) Sicher nicht. Es war eher eine Art, unsere Anwesenheit in Wert zu setzen.
Das Krankenhaussystem und die Alters- und Pflegeheime standen im Zentrum Ihrer Besuche im Kanton Waadt. Welches waren die wichtigsten Erkenntnisse?
IM: Professionalität, Erfindungsreichtum, Anpassungsfähigkeit: Die Krankenhäuser haben dies bei der Bewältigung der Krise in allen Kantonen bewiesen. Sie machten bauliche Veränderungen und nutzten ihre Parkplätze und alle freien Flächen zur Erweiterung ihre Kapazitäten. Die Krankenhäuser haben bewiesen, dass sie in der Lage sind, in einer Krise an Kraft zu gewinnen.
Im CHUV war ich beeindruckt einerseits von einer langen Reihe leerer Betten, ohne Privatsphäre, und andererseits von ihrer Fähigkeit, die Anzahl der Betten auf der Intensivstation zu erhöhen. Ich benutzte die Gelegenheit, um die Funktionsweise der Spitäler in Krisenzeiten kennen zu lernen und zu verstehen, wie die Spitäler unter sich den Patientenaustausch organisieren.
Auch im Kanton Waadt standen im Frühjahr die Alters- und Pflegeheime unter starkem Druck. Es war mir wichtig zu verstehen, wie sie sich im Kampf gegen das Coronavirus organisierten. Ich werde diesen Satz einer Betreuerin eines während der ersten Welle stark betroffenen Alters- und Pflegheimes nicht mehr vergessen: "Nach einer Weile gab es so viele Todesfälle, dass ich anfing, wie ein Roboter zu arbeiten". Sie hat mir eingestehen müssen, dass sie nicht mehr in der Lage war, alles emotional zu verdauen, was sie in ihrer Einrichtung erlebt und gesehen hatte.
HS: Für mich ist der Besuch des CHUV, dem Centre hospitalier universitaire vaudois in Lausanne eine unvergessliche Entdeckung. Ich war beeindruckt von der Grösse dieser Organisation, welche auch die Koordination für die ganze Region verantwortet. Auf der Intensivstation sah ich einen Patienten in meinem Alter, der auf dem Bauch liegend an einem Atemgerät angeschlossen war. Da sind mir die Bilder vom Frühling aus "Bergamo" wieder in den Sinn gekommen. Dieser Schock des Bildes ist wichtig, damit wir gegenüber diesem Virus wachsam bleiben.
Der letzte Tag der „Tour des Cantons“ wurde dem Kanton Bern gewidmet. Welche Erinnerung haben Sie?
HS: Ich konnte „mein“ Spitalzentrum in Biel besuchen, welches während der ersten Welle auch mit Versorgungsschwierigkeiten konfrontiert war. Ich habe die Gelegenheit benutzt, um ihnen für die großartige Arbeit bei der Bewältigung der Krise zu danken.
Abgerundet wurde der Tag durch eine fruchtbare Diskussion mit Linda Nartey, der Berner Kantonsärztin. Wir haben über die Maßnahmen gesprochen, die ergriffen werden müssen, um die Rückkehr der National- und Ständeräte in das Bundeshaus zu ermöglichen. Die Kantonsärztin hat die Lösung mit dem Plexiglas als genügend erachtet, wenn sich die Rätinnen und Räte auch an die übrigen Empfehlungen halten. Sie hat auch in Aussicht gestellt, sich mit den andern Kantonsärzten abzusprechen, um eine möglichst einheitliche Praxis bei Anordnung der Quarantäne zu erreichen.
Welche Lehren ziehen Sie aus dieser ersten Welle? Ist die Schweiz besser gerüstet für die zweite?
HS: Natürlich sind wir besser vorbereit, aber offensichtlich nicht ausreichend, da uns die zweite Welle genauso plötzlich wie die erste überrumpelt hat. Der gesamte Eindruck im Sommer war, dass die Epidemie unter Kontrolle ist. Und plötzlich, am 10. Oktober, kam die zweite Welle! Das war für mich eine große Enttäuschung.
Während der ersten Welle dieses Frühlings war unser Gesundheitssystem überfordert?
IM: In diesem Frühjahr war unser Gesundheitssystem nie überlastet. Die Bilder von Patienten in den Korridoren, an die wir uns alle erinnern, sind Bilder aus der Lombardei oder anderen Ländern. Aber keine aus der Schweiz! Einige Spitäler waren zwar sehr voll, wie im Tessin, aber nie überfordert. Umgekehrt waren einige Spitäler wegen dem Verzicht auf die nicht zwingend nötigen Operationen sogar stark unterbelastet.
Jetzt müssen wir in dieser zweiten Welle unbedingt eine bessere Koordination erreichen. Eine zusätzliche Herausforderung liegt darin, dass in dieser besonderen Lage die Kantone viel stärker betroffen sind, als in der ersten Welle, wo der Bundesrat die ausserordentliche Lage erklärt hatte. Natürlich ist es wichtig, die Bettenzahl auf den Intensivstationen zu erhöhen, aber gleichzeitig braucht es auch mehr Personal. Und Personal einzustellen ist nicht einfach. Deshalb ist es wichtig, in die Ausbildung des Pflegepersonals zu investieren und ihren Beruf aufzuwerten. Entmutigt und wegen der geringen Anerkennung verlassen zu viele Menschen zu früh den Pflegeberuf.
Im Frühjahr waren wir nicht ausreichend vorbereitet. Wir haben zwar Fortschritte gemacht, aber wir hätten noch mehr Fortschritte machen müssen! Dank der Koordinationsbemühungen und der unterzeichneten Konvention können die Intensivpatienten jetzt leichter unter den Spitälern aufgeteilt werden. Das ist entscheidend, um die zweite Welle zu bewältigen.
Welche Bilanz ziehen Sie nach den Begegnungen und Besuchen auf dieser zweimonatigen „Tour des Cantons“?
IM: Ich für meinen Teil bin zufrieden, dass die GDK zusammen mit dem BAG eine Vereinbarung abgeschlossen hat, mit welcher die Koordination verbessert und die Voraussetzungen der drei Krisenstufen definiert werden. Diese wird jetzt umgesetzt.
Diese Coronavirus-Krise hat auch gezeigt, wie leistungsfähig unser Gesundheitssystem ist. Im Gesundheitsbereich ist die Digitalisierung jedoch ungenügend. Natürlich ist es richtig, dem Datenschutz eine grosse Bedeutung zu geben. Aber das darf uns nicht die Augen vor diesem großen Rückstand verschließen.
Bei zahlreichen Diskussionen wurde immer wieder auf die mangelnde Koordination unter den Kantonen, zwischen den Kantonen und dem Bund aber auch zwischen dem privaten und öffentlichen Sektor hingewiesen. Ebenso wurde immer wieder verlangt, dass wirksame Instrumente zur Datenübertragung und zur Steuerung des Patientenstroms eingesetzt werden sollten. Diese Feststellungen haben wir dem Bundesrat weitergeleitet.
HS: Diese Reise hat es mir ermöglicht, den Umfang der Risiken des Coronavirus besser zu erkennen und gleichzeitig einen Einblick in den Prozess der Suche nach einem Gleichgewicht zwischen dem Bund und den Kantonen, den Kantonen unter sich und zu den Regionen zu erhalten. Denn dieses Virus ist sehr, sehr gerissen. Es hat eine gesundheitliche Krise verursacht, die sich zu einer wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Krise ausgedehnt hat.
Was die Gesundheit betrifft, so halte ich es für angezeigt, auf Bundesebene klare Standards und Schwellenwerte zu definieren. Und diese sind der Bevölkerung transparent zu machen. Ich bin auch überzeugt, dass es absolut notwendig ist, dass die Versorgung unseres Landes mit medizinischen Geräten, mit Medikamente, Reagenzien, Tests oder Masken auf Bundesebene koordiniert werden muss.
Auf wirtschaftlicher und sozialer Seite hat sich herausgestellt, dass das Prinzip "Wer bestellt, bezahlt" den jetzigen Herausforderungen nicht gerecht wird. Aus meiner Sicht darf es aber nicht darum gehen, zuerst die Frage zu entscheiden, wer die Kosten trägt, sondern wichtig ist, dass wir die Massnahmen beschliessen, welche dazu beitragen, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten um zu verhindern, dass nicht mehr alle Menschen die Behandlung bekommen, die sie brauchen.