(sda) Die Sicherheitspolitischen Kommission (SIK) des Nationalrats hat
sich für den Kauf von 22 Gripen-Kampfjets ausgesprochen. Der Entscheid
fiel mit 14 zu 9 Stimmen bei 2 Enthaltungen, wie Kommissionspräsidentin
Chantal Galladé (SP/ZH) am Dienstag in Winterthur sagte. ( 12.085 )

Der Nationalrat wird in der kommenden Herbstsession entscheiden, am 11. September. Am 18. September ist wieder der Ständerat am Zug. Das Ziel sei, allfällige Differenzen bis zum Ende der Herbstsession zu bereinigen, sagte Galladé.

Der Ständerat hatte dem Gripen-Kauf für 3,126 Milliarden Franken zugestimmt. Das für die Freigabe der Mittel nötige qualifizierte Mehr verpasste er allerdings um eine Stimme. Sollten die Räte dem Flugzeugkauf zustimmen, dürfte das Volk das letzte Wort haben: Gegen den Gripenkauf stellen sich SP, Grüne und Grünliberale, ein Referendum ist bereits angekündigt.

Typenwahl bleibt umstritten

Die Zweifel am Entscheid für den Gripen anstelle eines anderen Flugzeugtyps sind indes auch in den Reihen der Bürgerlichen nicht ausgeräumt: Ein Antrag, das Geschäft an den Bundesrat zurückzuweisen und diesen zu beauftragen, alternative Angebote zu prüfen, scheiterte in der Kommission nur knapp. Die SIK stimmte mit 12 zu 11 Stimmen bei 2 Enthaltungen dagegen.

Nun wird der Nationalrat über den Antrag der von FDP-Nationalrat Walter Müller (SG) angeführten Minderheit entscheiden. Etwas deutlicher abgelehnt wurde in der Kommission ein Rückweisungsantrag mit dem Ziel, zuerst ein Gesamtkonzept für die Luftwaffe zu erarbeiten. Auch ein Antrag, das Geschäft zu sistieren, bis die definitive Version des Gripen E vorliegt, scheiterte.

Bedingungen teilweise erfüllt

Die Sicherheitspolitischen Kommissionen von National- und Ständerat hatten zum Gripen-Kauf mehrmals weitere Informationen verlangt. Im April formulierte die Nationalratskommission schliesslich eine Reihe von Bedingungen. Inwieweit diese nun erfüllt sind, ist umstritten: Aus Sicht der Befürworter sind die wichtigsten Forderungen erfüllt, aus Sicht der Gegner nicht.

Die FDP hält in einer Mitteilung fest, zentrale Bedingungen seien erfüllt, ihre Vertreter in der Kommission stimmten dem Geschäft nun "generell zu". Bei Vertragsmängel könne die Schweiz die Abnahme des Flugzeugs blockieren. Es seien Konventionalstrafen vorgesehen. Ausserdem könne die Schweiz als letzte Sicherheit die Zahlungen sistieren.

Vorauszahlung von 40 statt 15 Prozent

Galladé hielt ihrerseits fest, das Verteidigungsdepartement habe die Einzelheiten nicht bekannt gegeben, sondern lediglich versichert, dass Garantien vorhanden seien. Der grösste Teil des Vertrags sei geheim. Ein Armasuisse-Vertreter habe zwar Einblick gehabt, aber lediglich einen kleinen Teil gesehen.

Fest steht, dass mehrere der von der Kommission formulierten Bedingungen nicht erfüllt wurden, darunter jene zur Vorauszahlung. Im April forderte die Kommission, dass diese maximal 15 Prozent des Kaufpreises betragen dürfe. Schweden hatte zunächst auf 67 Prozent gepocht. Am Ende einigten sich die Vertragsparteien auf 40 Prozent, wie bereits bekannt geworden war.

Keine Begrenzung des Inflationsrisikos

Zufrieden ist die Kommission dagegen mit der Vereinbarung, wonach die Schweiz ab dem vierten Flugzeug jeweils 12 Millionen zurückbehalten kann für den Fall, dass die Lieferung nicht allen Vorgaben entspricht. Bis zum Abschluss des Projekts kann die Schweiz 4 Prozent der Mittel zurückbehalten.

Auf eine Begrenzung des Inflationsrisikos wiederum hat das Verteidigungsdepartement verzichtet. Es verwies laut Galladé auf die geringe Inflation in den vergangenen Jahren. Die Kommission hatte Nachteile für die Schweizer Wirtschaft befürchtet, weil der Kaufpreis an die schwedische Inflation gekoppelt ist. Sie verlangte, dass das Risiko beschränkt wird.

Pro und Contra neue Flugzeuge

Auch wenn nun über Details des Kaufvertrags gestritten wird: Die Argumente der Befürworter und der Gegner des Flugzeugkaufs bleiben dieselben. Die Befürworter sind überzeugt, dass die Schweiz einen wirksamen Luftschirm braucht und dass der Gripen das passende Flugzeug ist, wie Galladé sagte. Aus Sicht der Befürworter seien viele Fragen nun geklärt, die Risiken überschaubar und vertretbar.

Die Gegner sehen keinen Bedarf für neue Kampfflugzeuge. Aus ihrer Sicht kann die Luftwaffe die aktuellen und künftigen Aufgaben mit den F/A-18 bewältigen. Bevor über neue Kampfflugzeuge als Ersatz für die Tiger diskutiert werde, brauche es ein Konzept für die Luftwaffe und für die Weiterentwicklung der Armee. Wenn in die Sicherheit investiert werden solle, dann an anderer Stelle, etwa bei der Cyberabwehr.


SDA, 27. August 2013