Andreas Aebi und seine Parlamentarierdelegation wurden vom Präsidenten der burkinischen Nationalversammlung, Alassane Bala Sakandé, empfangen und unterhielten sich mit Mitgliedern parlamentarischer Kommissionen über das Kooperationsprogramm im Bereich der Governance. Mit diesem von der Schweiz mitfinanzierten Programm soll der Dialog des burkinischen Parlaments mit der Zivilgesellschaft verbessert und die parlamentarische Kontrolle der Regierung gestärkt werden. Die Schweizer Delegation stattete ausserdem dem Präsidenten von Burkina Faso, Roch Marc Christian Kaboré, einen Höflichkeitsbesuch ab.
Gegenstand der Gespräche waren insbesondere die bilateralen Beziehungen und die Zusammenarbeit, die politische Situation nach den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen von November 2020 sowie die Sicherheitslage in Burkina Faso. In Burkina Faso sind aufgrund der zunehmenden Gewalt derzeit über eine Million Menschen auf der Flucht. Die Friedensförderung in der Sahelzone ist darum auch einer der thematischen Schwerpunkte der
Subsahara-Afrika-Strategie 2021–2024 des Bundesrates.
Andreas Aebi zeigte sich besorgt über die Verschlechterung der Sicherheitslage in der Sahelzone und die Zunahme von gewalttätigem Extremismus in den letzten Jahren. Die Delegation begab sich in die Stadt Fada N’Gourma im Osten des Landes, die besonders schwer von terroristischer Gewalt betroffen ist. Der Nationalratspräsident legte dort einen Kranz zu Ehren der Terroropfer nieder und traf Mitglieder des «Collège de Dialogue et Médiation», einer Initiative zur Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts, um sich mit diesen über die sozialen Konflikte und die Lage der Binnenvertriebenen auszutauschen.
Im Mittelpunkt des Besuchs in Burkina Faso standen in erster Linie Besuche vor Ort. Im Zentrum und mittleren Westen des Landes besichtigte die Delegation landwirtschaftliche und unternehmerische Projekte, die von der Schweiz unterstützt werden, so z. B. eine Geflügelzucht und eine Imkerei, die Teil einer Genossenschaft ist, der 4000 Imkerinnen und Imker angehören und die sich die Professionalisierung der Bienenzucht zur Aufgabe gemacht hat. Im Weiteren nahm die Delegation die Baustelle einer ländlichen Strassenverbindung und ein Ausbildungszentrum in Augenschein, in dem 8000 Jugendliche und junge Erwachsene, die Hälfte davon Frauen, mithilfe des Schweizer Unterstützungsprogramms für Berufsbildung und Lehre in verschiedenen technischen Berufen ausgebildet werden.
Burkina Faso ist seit 1974 ein Schwerpunktland der internationalen Zusammenarbeit der Schweiz. Die Schweiz will mit ihren Programmen zur Entwicklungszusammenarbeit, zur humanitären Hilfe und zur menschlichen Sicherheit dem gewalttätigen Extremismus in der Sahelzone entgegenwirken.
Die Schweiz anerkannte Burkina Faso am 5. August 1960 als unabhängigen Staat und nahm 1961 diplomatische Beziehungen auf. Seither haben die beiden Staaten bilaterale Abkommen über den Handel, den Investitionsschutz, die technische Zusammenarbeit sowie im Bereich der Budgethilfe abgeschlossen. Die Programme der schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit konzentrieren sich hauptsächlich auf die Regionen im Norden, im mittleren Westen und im Osten des Landes. Seit 1994 leistet das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) ausserdem Budgethilfe und ergänzende makroökonomische Unterstützung. Hinzu kommen humanitäre Hilfe und Nahrungsmittelhilfe, die bei Bedarf direkt von der schweizerischen humanitären Hilfe oder von Vertretungen der Vereinten Nationen oder von Nichtregierungsorganisationen erbracht werden.
Der Nationalratspräsident wurde begleitet von Nationalrätin Christine Badertscher (Grüne, BE) und Nationalrat Eric Nussbaumer (SP, BL), beide Mitglieder der Aussenpolitischen Kommission, sowie von Botschafter Claudio Fischer, dem Leiter des Bereichs Internationales und Mehrsprachigkeit der Parlamentsdienste, Anne Lugon-Moulin, der Schweizer Botschafterin in Burkina Faso, und Botschafterin Siri Walt, der Leiterin der Abteilung Afrika des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten.