Die beiden Parlamentspräsidenten waren dieses Jahr bereits im Rahmen des Treffens der Parlamentsvorsitzenden deutschsprachiger Länder in Luxemburg zusammengekommen und hatten dort ein Arbeitstreffen in Berlin vereinbart. Im Gespräch würdigten die beiden Parlamentspräsidenten die guten bilateralen Beziehungen und hoben die zahlreichen Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und der Schweiz hervor. Im Mittelpunkt des Austausches standen europapolitische Themen. Die Schweizer Delegation, der auch der Präsident und Vizepräsident der Delegation für die Beziehungen zum Deutschen Bundestag, Ständerat Joachim Eder (FDP, ZG) und Nationalrat Thomas Hardegger (SP, ZH), angehörten, erläuterte die aktuelle innenpolitische Lage in der Schweiz. Der Bundesrat habe Ende September einen Grundsatzentscheid gefällt, die Verhandlungen über das institutionelle Rahmenabkommen zwischen der Schweiz und der EU auf Grundlage des derzeitigen Verhandlungsmandats weiterzuführen und gleichzeitig mit den Sozialpartnern und den Kantonen im Dialog zu bleiben. Innenpolitisch sei vor allem die allfällige Anpassung der sogenannten flankierenden Massnahmen umstritten. Die EU habe mit der Gewährung einer nur befristeten Börsenäquivalenz und mit dem Drängen auf einen Abschluss der Verhandlungen über das Rahmenabkommen weiter zum Unmut beigetragen. Die Verknüpfung sachfremder Geschäfte und Druck aus Brüssel stosse in der Schweiz auf Ablehnung und sei kontraproduktiv. Wolfgang Schäuble, der aus der deutsch-schweizerischen Grenzregion stammt und die politischen Prozesse der Schweiz gut kennt, zeigte sich verständnisvoll und bot seine Unterstützung an, den Schweizer Anliegen in Brüssel Gehör zu verschaffen. Gleichzeitig betonte er, dass die Interessenlage in Süddeutschland eine andere sei und man bei den flankierenden Massnahmen eine pragmatische, unbürokratische Lösung anstreben müsse.
Auch beim Treffen mit Mitgliedern des Ausschusses für die Angelegenheiten der Europäischen Union standen die Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU im Mittelpunkt. Das institutionelle Rahmenabkommen bedeute keine grundlegende Neugestaltung der Beziehungen zur EU, sondern spanne lediglich ein Dach über die schon bestehenden Verträge. Mit der Selbstbestimmungsinitiative und der Kündigungsinitiative, mit welcher die Personenfreizügigkeit beseitigt werden soll, stünden jedoch Abstimmungen bevor, die das Verhältnis der Schweiz zur EU gefährden könnten. Diese innenpolitischen Baustellen müssen bei den Verhandlungen mit der EU berücksichtigt werden. Der Vorsitzende des Ausschusses, MdB Gunther Krichbaum (CDU), schlug denn auch vor, dass der Ausschuss die Schweiz besucht, um sich eingehender mit deren Situation zu befassen.
Weiter fand ein Austausch mit der Deutsch-Schweizerischen Parlamentariergruppe statt. Diese wurde im Sommer dieses Jahres neu konstituiert und hat mit MdB Thorsten Frei (CDU) einen neuen Vorsitzenden. Ziel des Treffens war es, einen ersten Kontakt zwischen den beiden Delegationen herzustellen und ein Datum für ein nächstes bilaterales Treffen festzulegen. Dieses ist nun für das Frühjahr 2019 vorgesehen. Die Beziehungen zwischen den beiden Parlamenten wurden im Jahr 2005 mit der Gründung von zwei permanenten Delegationen institutionalisiert. Die Deutsch-Schweizerische Freundschaftsgruppe und die Delegation für die Beziehungen zum Deutschen Bundestag widmen sich den Beziehungen zum jeweiligen Nachbarstaat und pflegen einen regelmässigen Austausch zu grenznachbarschaftlichen Themen.
Abgerundet wurde das Programm mit einem Besuch des Stasi-Museums, wo der Journalist und Bürgerrechtler Roland Jahn durch das Stasi-Unterlagen-Archiv und die Stasi-Zentrale führte. Roland Jahn ist seit 2011 Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU).
Er brachte der Schweizer Delegation die Angebote der Behörde näher und tauschte sich mit den Delegationsmitgliedern über die Aufarbeitung der SED-Diktatur aus. Die Behörde verwaltet und erforscht die Akten und Dokumente des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR.
Ferner besuchte die Delegation ein Schweizer Jungunternehmen in Berlin. Die Gründer der Firma Velt führten durch ihren Co-Working Space, in dem nebst den eigenen Mitarbeitenden auch weitere Unternehmen tätig sind, und berichteten über die Herausforderungen eines Schweizer Start-up-Unternehmens in Deutschland.