Es gilt das gesprochene Wort
Grusswort von Nationalratspräsident Ruedi Lustenberger
Es ist für mich eine grosse Freude, hier in dieser schönen Kirche in Spiegel, in diesem feierlichen sakralen Raum, gebaut in einer guten Kombination aus Stein und Holz, kurz zu Ihnen sprechen zu dürfen.
Liebe Kinder, Jugendliche und Erwachsene
Liebe junge und alte CEVIs
Chers enfants, adolescents et adultes,
Mesdames et Messieurs,
Célébrer en 2014 l’anniversaire d’une organisation créée en 1864, voilà qui sort de l’ordinaire. Cette période correspond à l’équivalent de deux vies humaines.
1864 bis 2014 – das ist eine beachtliche Zeitspanne. Zwei Menschenleben passen da hinein. Und wenn man sich vor Augen führt, was in diesen 150 Jahren in unserem Land alles passiert ist, erfunden wurde, sich geändert hat, so kann man sagen, wir leben heute in einer ganz anderen Welt. Die Schweiz war damals arm und wenig entwickelt. Viele Bürgerinnen und Bürger wanderten aus, suchten ihr Glück und ein Auskommen in Amerika oder in Kanada (fast eine halbe Million zwischen 1848 und 1914). Die Damen trugen lange Röcke, die Herren nicht selten einen Zylinder auf dem Kopf. Die Kinder mussten anfänglich noch nicht zur Schule – die Schulpflicht wurde erst 10 Jahre (1. Verfassungsrevision) später eingeführt. Auf den Strassen klapperten Pferdehufe, Velos und Autos kamen erst viel später. Der Lichtschalter existierte noch nicht, ebenso wenig Telefon, Radio geschweige denn das Fernsehgerät oder das iPhone.
Auch Ihre Organisation hat sich über diese Jahre der neuen Welt angepasst und verändert. Aus einer Organisation für junge Männer ist eine Organisation für junge Menschen geworden – um nur ein Beispiel zu nennen. Was geblieben ist, sind die Werte, für die CEVI seit seiner Gründung vor 150 Jahren steht. Dafür möchte ich Euch ganz herzlich gratulieren. Man kann heute gelegentlich den Eindruck bekommen, rundherum herrsche Gleichgültigkeit und Egoismus, Konsum ist die neue Religion und jeder ist sich selbst der nächste. Es freut mich zu wissen, dass mit ihrer Organisation 15‘000 junge Menschen im 21. Jahrhundert Werte wie Solidarität, Respekt, Toleranz, Rücksichtnahme, Gemeinschaftssinn und Selbstverantwortung hoch halten und auch danach leben.
Diese Woche habe ich einen ehemaligen Ratspräsidenten aus dem Kanton Zürich im Bundeshaus getroffen und ihm gesagt, ich sei heute bei den CEVIS zur Jubiläumsfeier eingeladen und dürfe dort eine kurze Ansprache halten. Dann hat er mir erzählt, wie seine drei Kinder damals alle in der CEVI mitgemacht hätten. Dort hätten sie jene Werte in der Gemeinschaft junger Menschen mitbekommen, die ich eben aufgezählt habe, es sei für sie eine echt e Lebensschule gewesen.
Ja, liebe junge Mitbürgerinnen und Mitbürger: Sie sind Vorbilder – und können andere zu gleichem Tun ermutigen. Denn im Grunde ticken ganz viele junge Menschen wie Ihr, wie der Jugendbarometer vom letzten Jahr zeigt. Sie räumen solidarischen Werten sowie der Familie und den Freunden einen vergleichsweise hohen Stellenwert ein.
Die Schweizer Jugend weiss die Vorzüge der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Situation zu schätzen. Die Werte, die CEVI seit Jahrzehnten pflegt, sind bedeutend für unsere kleine, vielseitige, bunte Nation. Sie sind so wichtig, dass die Bundesverfassung sie gleich ganz am Anfang erwähnt. Dort steht:
Im Namen Gottes des Allmächtigen! Das Schweizervolk und die Kantone, in der Verantwortung gegenüber der Schöpfung, im Bestreben, den Bund zu erneuern, um Freiheit und Demokratie, Unabhängigkeit und Frieden in Solidarität und Offenheit gegenüber der Welt zu stärken, im Willen, in gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung ihre Vielfalt in der Einheit zu leben, im Bewusstsein der gemeinsamen Errungenschaften und der Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen, gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht, und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen.
Wenn man – so wie Ihr jetzt – die Präambel vorgelesen bekommt, tönt das ziemlich kompliziert. Heute würde man sie anders formulieren, ohne am Inhalt etwas zu ändern. Vielleicht etwa so: Die Schweizer Bürgerinnen und Bürger und die Kantone tragen der Umwelt Sorge. Sie entwickeln das Land weiter, sind solidarisch und offen gegenüber der Welt und halten Freiheit, Demokratie, Unabhängigkeit sowie den Frieden hoch. Sie leben die Vielfalt in der Einheit und sind sich bewusst, was die Schweiz erreicht hat. Sie tragen die Verantwortung für die kommenden Generationen und für die Schwachen. Denn daran misst sich die Stärke unseres Volkes.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger
Verantwortung für sich und die Mitmenschen übernehmen, einander helfen, sich um Schwächere kümmern, Rücksicht nehmen und auch mal den Ärger herunterschlucken, „d‘s Füfi la grad si“, das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Denn, diese Eigenschaften sind der Kitt unserer Gesellschaft. Eine Gesellschaft aus Egoisten und Ignoranten ist nicht überlebensfähig. Das wollenen wir uns immer wieder bewusst sein. Wenn ich sehe, wie sich CEVI und viele weitere Jugendorganisationen in der Eidgenossenschaft für die Mitmenschen engagieren, bin ich zuversichtlich, dass unsere Gesellschaft nicht auseinanderbrechen wird.
2164 – in 150 Jahren also - wird die Welt wiederum ganz anders aussehen als heute. Wie, das können wir uns heute kaum ausmalen. Die Grundwerte jedoch, sie haben kein Verfallsdatum.
Je vous souhaite à tous une merveilleuse fête au sommet du Gurten. Vous l’avez bien mérité.
Ich wünsche allen ein fröhliches Fest auf dem Gurten. Sie haben es sich reichlich verdient. Ich wünsche Ihnen für die weitere Tätigkeit weiterhin viel Freude sowie alles Gute und sage nochmals: Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum und Dankeschön!