Es gilt das gesprochene Wort

 

 

Herr Stadtpräsident

Sehr geehrte Damen und Herren

Liebe Kolleginnen und Kollegen

 

Herzlich Willkommen im Bundeshaus! Schön, dass Sie da sind. Und schön, dass auch das eidgenössische Parlament oder - zumindest dessen Hülle - ein kultureller Anziehungspunkt der Museumsnacht sein kann.

Politikerinnen und Politiker machen ja bekanntlich nicht selbst Kultur. Aber sie sollen gute Rahmenbedingungen für die Kultur schaffen – und für eine Politik mit Kultur einstehen. Heute stellt sich das Parlamentsgebäude in den Dienst der Kultur: Für diesen ganz besonderen Anlass, die Museumsnacht, öffnen wir unser Haus großen und kleinen Nachtschwärmern natürlich sehr gerne.

Es heisst ja: „In der Nacht sind alle Katzen grau“. Dieses Sprichwort weist auf unser Unvermögen hin, nachts Farbe zu erkennen; aber es wird der Faszination, und der Vielfalt des nächtlichen Geschehens nicht ganz gerecht. Die Nacht hat einen speziellen Reiz, die Nacht fasziniert die Menschen seit jeher. Mich selber kann man wohl auch als Nachtmenschen bezeichnen – einfach deshalb, weil mir das Arbeiten nachts leicht von der Hand geht, weil mir dann die besten Ideen kommen und sich diese dann ungestört vertiefen und ausarbeiten lassen.

Jede und Jeder hat ver­schiedene Assoziationen zur Nacht. Die Nacht ist dunkel und schwarz, aber auch friedlich und ruhig. Der Eine würde am liebsten erst aufstehen, wenn es dunkel wird. Der Andere fürchtet sich bei Nacht und hofft auf einen baldigen Morgen. Ich erinnere mich an meine Kindheit und an fiese kleine Gruselgeschichten, die meine Freundinnen oder auch Schwestern und ich austauschten. Bei Tage erzählt, waren diese lustig und harmlos. In der Dunkelheit ausgetauscht, jagten einem dieselben Geschichten manchmal gehörig Angst ein.

Ja, die Nacht verändert, verstärkt unsere Wahrnehmung. Und selbst das künstliche Licht kann das Besondere der Nacht nicht zerstören – höchstens verändern. Mir fällt das auch hier in diesem Haus auf, wenn ich während der Session nach dem Nachtessen nochmals ins Büro komme, um die Vorbereitungen zu treffen für den nächsten Tag:

Figuren, wie die drei Eidgenossen zum Beispiel, erhalten ganz andere Konturen, schärfere, deutlichere. Über eine Gruselgeschichte am Tag erzählt, mag man lachen, nachts fürchtet man sich. Das Bundesratszimmer wirkt um Mitternacht majestätischer als mittags um 12. Und, wie ich vernahm: Die präparierten Tiere im Naturhistorischen Museum scheinen lebendiger in der Dunkelheit.

Die Nacht war im Volksglauben seit alters die Zeit der Geister, der Teufel und Gespenster. Zwischen Abenddämmerung und Morgengrauen hatten die dunklen Wesen besondere Macht.

Ich kann Ihnen jedoch versichern, hier im Parlamentsgebäude geht alles mit rechten Dingen zu. Zwar geisterten auch hier manchmal bis Mitternacht Wesen herum: Denn wir Politikerinnen und Politiker kennen sie auch, die langen Nächte - und nicht nur von den bisherigen Museumsnächten her: Open end Debatten während der Sessionen, Sitzungen der Fraktionen, die Nächte am Computer, an denen Redetexte entstehen oder tagsüber vernachlässigte Mailboxen bearbeitet werden, wir kennen auch Wahlnächte und natürlich die legendären Nächte der langen Messer, die im Zeitalter der Mobiltelefonie zu einem gut konservierten Mythos geworden ist.

Die Berner Museumsnacht mit ihrem bunten Beleuchtungsspektakel zeigt, wie zauberhaft mitternächtlicher Kulturgenuss sein kann, im Vergleich zu den eher blassen Stunden tagsüber. Dies macht wohl auch den Erfolg der Museumsnacht aus. Ich wünsche Ihnen allen eine abwechslungsreiche Nacht voller Erkundungen, Entdeckungen und neuer Erfahrungen.

Bevor wir Sie nun ans Museen-Hopping oder ans „museumsnachten“ – wie das offenbar genannt wird -  entlassen, darf ich nun das Wort weitergeben und Alexander Tschäppat, Berns Stadtpräsidenten, überreichen.