Sehr geehrter Herr Präsident der Volksversammlung
Geschätzte Kolleginnen und Kollegen
Sehr geehrte Frau Botschafterin
Meine Damen und Herren
Die Schweiz ist bereits seit 1911 in Bulgarien diplomatisch vertreten und es erfüllt uns mit Stolz, dass unsere Länder schon so lange miteinander verbunden sind. Seit der Wende von 1990 sind die Beziehungen aber noch verstärkt worden, und auf Ministerebene hat in den letzten fünf Jahren ein intensiver und reichhaltiger Austausch stattgefunden.
Ihre traditionelle Gastfreundschaft haben Sie bereits Ständeratspräsident Ulrich Zimmerli angedeihen lassen, als er 1998 Sofia besuchte. Damals wurde der Wunsch geäussert, zwischen unseren beiden Ländern feste parlamentarische Beziehungen zu knüpfen und zu pflegen. Wir freuen uns über Ihren Besuch und möchten bei dieser Gelegenheit gegenüber Ihrem Volk unsere Verbundenheit und Bewunderung ausdrücken, einem Volk, das nicht nur für seine bereits erwähnte legendäre Gastfreundschaft, sondern auch für seine Kreativität und seinen Arbeitsfleiss bekannt ist.
Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Bulgariens eigentlicher Werdegang mit den Einigungsbestrebungen am Ende des ersten Jahrtausends seinen Anfang nahm. In dieser Epoche führte Bulgarien auch das kyrillische Alphabet ein, was für dieses Land von grosser Bedeutung war, denn dadurch konnte es sich dem Einfluss Konstantinopels entziehen und seinem Volk ein nationales Bewusstsein vermitteln, von dem Bulgarien bis heute geprägt ist.
Strassburg hat kürzlich anerkannt, dass Bulgarien seit seinem Beitritt zum Europarat vor sieben Jahren die europäischen Normen in den Bereichen Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte weitgehend befolgt hat. Sofia seinerseits trägt nach Kräften zur Stabilität auf dem leider immer noch kriegsgeprüften Balkan bei. Auch die Bereitschaft Bulgariens, der NATO beizutreten, zeugt von seinem Willen, einen konstruktiven Beitrag zur Sicherheitsarchitektur Europas zu leisten.
Bulgarien hat unlängst die Verhandlungen um seinen Beitritt zur Europäischen Union aufgenommen. Wir haben eine bedächtigere Gangart gewählt: Das Schweizer Volk wird sich am kommenden 21. Mai entscheiden, ob es die mit der EU in sieben Kernbereichen ausgehandelten bilateralen Abkommen annehmen oder ablehnen will.
Bulgarien ist unter dem Einfluss der umgebenden Donau- und Mittelmeerkulturen mit einem reichen Erbe beglückt worden. Die Leute dieses Landes rühmen sich gerne, ein Volk von Musikern und Sängern zu sein. Zu Recht, denn die Volksmusik hat im bulgarischen Kulturleben schon immer einen wichtigen Platz eingenommen: Hat das Volkslied nicht jahrhundertelang unter der Türkenherrschaft die nationale Einheit Bulgariens symbolisiert?
Die Schweiz ist sich der weltweiten Bedeutung der bulgarischen Volkskultur bewusst. Am Internationalen Folkloretreffen in Freiburg – einer Stadt, die als «kleine Schwester Berns» gilt – sind zur grossen Freude aller Folklore-Kenner schon mehrmals bulgarische Gruppen aufgetreten. Was die Kulturförderung im weiteren Sinne betrifft, freut es mich, dass Pro Helvetia kürzlich in Bulgarien eine Aussenstelle eröffnet hat. Unser Land setzt sich somit nicht nur für die Förderung der Schweizer Kultur im Ausland ein, sondern auch für den Kontakt und Austausch mit und unter den Künstlern der Balkanländer.
Angesichts dieser gegenseitigen Bereicherung wünsche ich mir, dass die Beziehungen zwischen unseren Ländern auf allen Gebieten auch in Zukunft weitergepflegt werden.
In diesem Sinne, sehr geehrter Herr Präsident, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren, erhebe ich mein Glas auf die Gesundheit des bulgarischen Volkes, auf das Wohlergehen dieses Landes und seiner staatspolitischen Einrichtungen und auf die Freundschaft zwischen der Schweiz und Bulgarien.