Herr Vizekanzler Casanova
Herr Direktor Marchand
Sehr geehrte Damen und Herren
Mesdames et Messieurs
Herzlich willkommen auf der Baustelle des Medienhauses. Hier unten müsste man eigentlich sagen, in der Baustelle.
Es hat einen guten Grund, dass ich, als Delegierter der Verwaltungsdelegation der Bundesversammlung, den ersten Willkommensgruss entbiete. Was hier entsteht, geht auf die Initiative ebendieser Verwaltungsdelegation zurück. Sie gab Ende der 90er Jahre den Anstoss zum Bau eines eigentlichen Medienzentrums Bundeshaus.
Depuis que la Délégation administrative a décidé à la fin des années 90 d'impulser la construction d'un véritable Centre de presse, le nombre des acteurs impliqués dans cette grande entreprise a considérablement augmenté. J'observe ainsi que toutes les personnes présentes ici y sont associées, à un titre ou à un autre: les uns, parce qu'ils ont participé à la prise de décision politique ou stratégique, les autres, parce qu'ils assurent la réalisation tangible du projet, enfin les futurs usagers, qui, en faisant valoir leurs besoins, ne sont pas sans influer eux aussi sur l'aménagement final.
Am heutigen Tag möchte ich jedoch vorerst denjenigen danken, die nicht zuvorderst stehen, nämlich all den Bauarbeitern, die hier bereits seit längerer Zeit tagein-tagaus die eigentliche Knochenarbeit verrichten. Angesichts der Baustelle, die sich unter den alten Häusern versteckt, bin ich einfach nur eins: Beeindruckt!
Dass wir heute tief im Berner Untergrund stehen, haben, wie eingangs erwähnt, wir Parlamentarier zu verantworten. Damals vor vier Jahren hatten wir genug. Genug von der Enge im Parlament, wo sich Ratsmitglieder, Medienschaffende, Bundesangestellte, Besucher und Lobbyisten buchstäblich auf die Füsse treten. Genug davon, jede Sitzung zu einer Jagd nach einem passenden Sitzungszimmer zu machen, genug davon, keine brauchbaren Arbeitsplätze zu haben. Das hundertjährige Parlamentsgebäude platzt aus allen Nähten, nicht zuletzt, weil sich die Präsenz der Medien seit der Eröffnung des Bundeshauses 1902 vervielfacht hat. Wir hatten bei den Parlamentsentscheiden im Jahre 2001 auch genug davon, den Bundeshausmedien Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, die wohl niemand als zumutbar bezeichnen würde.
Ich weiss, ich begebe mich hier in heikles Gebiet. Ich habe die Stimmen gehört und höre sie immer noch, die sagen, wir Politiker möchten mit dem Bau des Medienhauses die Medienschaffenden auf Distanz halten; wir wollten bloss unsere Ruhe haben. Dem ist nicht so. Wir Politiker haben unsere Funktion, die Medienschaffenden haben die ihre. Zu häufig geht vergessen, dass die Rollen, die wir einnehmen, unterschiedlich sind und unterschiedlich sein müssen. Die Tendenz, dass sich Medienschaffende als Politiker gebärden und Politiker als Medienschaffende wird beider Aufgaben nicht gerecht. Bald haben wir ein Haus der Politik und direkt daneben ein Haus der Medien, die über Politik berichten - nahe beieinander, voneinander abhängig und doch klar unterscheidbar. In Pantoffeln wird es nicht mehr gehen: Ihr Medienleute werdet jederzeit quer über die Gasse im Bundeshaus willkommen sein, wir Parlamentarier werden mit Sicherheit häufig zu euch ins Medienzentrum kommen wollen.
Ich habe bewusst „Medienzentrum“ gesagt, denn der Begriff „Bundesmedienhaus“ behagt mir gar nicht. Man mag über die Medienschaffenden sagen, was man will, staatliche Bundesmedien gibt es bei uns glücklicherweise nicht. Für diese hart erkämpfte Unabhängigkeit danke ich euch Medienschaffenden. Im neuen Medienzentrum fällt es vielleicht beiden Seiten noch leichter, die kritische Distanz zwischen Politik und Journalismus transparent zu machen.
Zurück zu den Bauarbeitern, den Planern, Architektinnen und Technikern und dem, was sie hier entstehen lassen. Hightech in historischen Mauern sei das Medienzentrum, steht in der Pressemappe. Quadratur des Zirkels würde auch passen. Mitten im alten Bern drei denkmalgeschützte Wohn- und Geschäftshäuser aus dem vorletzten Jahrhundert in ein hochmodernes Informations- und Arbeitszentrum für 350 Medienschaffende inklusive Radio- und TV-Studios zu verwandeln, ist, wir sehen es, ein unglaubliches Unterfangen. Unmittelbar unter den bestehenden Gebäuden, in der 16-Meter tiefen Baugrube, in der wir jetzt stehen, entsteht von aussen unsichtbar ein ganz neues Bauwerk, das anschliessend mit modernster Technik gefüllt wird. Oben an der Bundesgasse sieht weiter alles so aus wie zuvor, eine schöne Häuserzeile aus dem 19. Jahrhundert, gesäumt von Alleebäumen, die, wie ich gehört habe, bei Baubeginn zu einiger Aufregung geführt haben…
Ein kluges, klares Architekturkonzept erlaubt es, Altes zu bewahren und mit zeitgemässer Medien-Nutzung neu zu interpretieren. Die Realisierung ist nicht einfach. Allein der Aushub unter Gebäuden, die vollumfänglich bestehen bleiben, ist eine kreative, technische Bravourleistung, die uns Laien allen Respekt abnötigt.
Billig, das erlaube ich mir als Politiker auch zu sagen, ist das Ganze nicht. Doch wenn wir heute den Grundstein zum Medienzentrum Bundeshaus legen, bin ich überzeugt, dass die 40 Millionen gut investiertes Geld sind.
Wenn das Medienzentrum im Laufe des Jahres 2006 den Betrieb aufnimmt, bleiben Parlament, Regierung und Medien nahe zusammen und kommunikativ eng verflochten, aber alle werden dann über ihr eigenes Haus mit einer massgeschneiderten Infrastruktur verfügen.
In diesem Sinne: Herzlich Willkommen im Medienzentrum Bundeshaus!