Liebi Chamerinnen und Chamer
Gschätzti Gäst us de ganze Schwiz oder gar usem Usland
Was isch am hütige Tag de Unterschied zwischem Rütli und und em Chomer Hirsgarte?
Im Gägesatz zum Rütli isch’s do in Cham nie es Thema gseh, öb die 1. Augustfiir überhaupt sell stattfinde; es isch nie en Frog gseh, wie viel Poliziste das es de bruchi, was die chosted und wär sie sell zahle. Mehr chönt jetzt drüber nodänke, öb’s wäge em Redner sig und ich so viel harmloser sig als d'Bundes- und Nationalrotspräsidentin. Oder isch’s soviel eifacher und unkomplizierter, will sie, liebe Chomerinnen und Chomer schlichtwägs soviel friedlicher und unkomplizierter als gwüssni unbätne Gäscht uf em Rütli sind? Uf jede Fall han ich scho früeh im Rütlikomitee mitteilt, ich sig am 1. Augschte bi minne Lüt dehei; dehei in Hünenberg, wo’nich mit minnere Familie sit bald 30 Johr läbe und selbstverständlich au do z’Cham, won ich exakt vor 25 Johr ufem Schluechthof i mim Bruef als Landwirtschaftlehrer agfange han.
Cham, das isch en Teil vo mim Läbesmittelpunkt worde. Do verdien ich mis Brot - sprich mis Ikomme -, do teil ich Fröid und Leid mit minne Lehrerkollege und mit üsne Landwirtschaftsschülerinne und -schüler am Schluechthof und letztlich fühl ich mich dank vilne bekannte sympathische Lüt i dere Gemeind deheim; ganz nachem Motto: dort ist man zuhause, wo man sich geborgen und verstanden fühlt.
So symbolisch s’Rütli mag si, d’Schwiz läbt i de Gemeinde usse. Drum isch mini erschti Wahl als 1. Augustredner klar gsi: Es cha nur Cham oder Hünebärg si. Schön, das ich a beidne Ort wilkomme bi.
Und wenn ich jetzt als Ständerotspräsident und als Iheimische zu Ihne rede, so will ich kei grossi patriotischi Lobrede halte, sondern ganz eifach es paar Gedanke mit Ihne teile, Gedanke die - so mein ich - guet zum 1. Auguscht passid.
Ich hoff ich sig uf mim politische Wäg kei abghobne "Hors Sol Politiker" worde - sondern dank Familie, enere dörflicher Umgäbig und mim Bruef ufem Bode blobe. Ich versueche all das, was mich im Alltag i nöchschter Umgägnig trifft, i die parlamentarischi Meinigsbildig izbringe. Ich ha i däm Johr Glägeheit, i üsem Land und au en Bitz iüsere Wält umezcho.
I üsere Schwiz erläb ich zur Zit es Land, d' em's usgrsproche guet goht, wo im Verglich zu arme Länder en unglaublich höche Läbesstandard vorhande isch, Sache - wie öppe früschs Trinkwasser ab em Hahne, Gsundheitsvorsorge in nöchster Nöchi, d'Arbeit, wo für fascht alli do isch, oder die staatliche Irichtige in einzigartiger Qualität vorhande sind. Wenn ich das so säge, so underem Idruck vom mim Besuech, wo n'ich als Parlamentspräsident vor drei Wuche in Afrika, i eim vo de ärmste Länder vo dere Wält, gmacht han. Was es für üs Schwizer heisst, sit über 150 Johr ohne frömdi Herrscher, ohne Bürgerchrieg und in demokratische Verhältnis z'läbe, han ich in Mosambik erfahre, es Land, das über Johrhundert vo Kolonialmächt uf unbeschrieblichi Art usgnuetzt worde isch, wo en grausame Bürgerchrieg über meh als 20 Johr en Million Mönscheläbe gfordered het, wo no hüt meh als d’Hälfti vo der Mönsche kein Zuegang zu Wasser im Dorf händ, wo über 50 % weder läse noch schribe chönt; womer eis zu eis cha zueluege, wie bi de chline Chind jedes füfti wägstirbt und d'Plag Afrikas, d'Aids Krankheit, jungi Lüt im beschte Alter, wägstärbe lot.
I mier hät dä Bsuech in dem Land Iblick in ne Wält gäh, die mier i dere Intensität no unbekannt gseh isch.
Settigi Begägnige öffnet eim d'Auge für s'Schicksal vo andere, si rüttlet eim uf, forderet zu solidarischem Handle und Mitverantwortig uf, lönd eim uf der andere Siite aber au dankbar si, dass mier imene Land dörfid läbe, wo zwifellos zu de privilegierteste gehöre tued. Und isch nid grad de 1. August en guete Momänt defür, sich das eim lo bewusst wärde. D'Auge gegenüber de grosse Sorge und Herusforderige, gegenüber em Elend vo dere Wölt z'öffne, chan en zwöite Aspekt si. Und vielleicht tuet en settige Blick d'Relatione, was für eim sälber wichtig und unwichtig isch, e chli verschiebe. Wenn gseid wird "Reisen bildet", so lod eim s'Reise a settigi Ort hi aber au lo wahrnäh, weli Wärt, aber au weli Mängel me sälber deheime aträffe tued.
Wenn mer die eigeti Gschicht vo üsem Land könnt und weiss, dass mehr grad emol 700 Johr brucht hed, um sich chönne friedlich z'finde, so chund mehr Verständnis über für Länder, wo die Entwicklung imene unheimlich Ziitraffer dürlaufe settid.
Wemmer üse Wohlstand kritisch überprüefed, so isch liecht isehbar, das er nid elei dür eigets Verdienst möglich worde isch und wenn mier i'Zuekunft lueged, so gsehnd mier Herusforderige im Bereich vo de sorgfältige Nutzig vo üsne Ressourcen, wie Wasser, Nahrig und Energie, bim Schutz vo üsere Umwält vor Zerstörig und Übernutzig, bi de Überwindig vo Diskriminierig von Fraue, Chind oder Minderheite, und bi deFolge vo Migration und ethnisch bedingte Spannige … jo all das lot sich nid löse, ohni es eigets aktivs Mitdänke und Mithandle.
D'Chraft, die Herusforderige aznäh, schöpfed mier us de Überzügig, dass Schicksal vom andere immer - sis Lache und sini Träne - mich nid chalt und unbetroffe lönd. En grächteri Wält isch aber nur denn möglich, wenn s'glingt, d'Mönschheit uf gwüssni allgemein gültige und anerkannti Wärt z'verpflichte. Do chan öises Land mit sinere riche Erfahrig und sine grossartige Wärch - wies Rote Chrüz, die privat und öffentlichi Hilf in Not und Katastrophe, aber auch die wichtige Impuls bi der Schaffig vo demokratische Gsellschafte und Staate, en wichtige Bitrag leischte.
Wenn de Gotthelf geseid hed: „Zuhause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland", so mues die Isicht hüt die nationale Gränze durbräche. Üses Land isch ufgrüeft, sin Bitrag z'leischte für en grächti Wält, für d'Bewahrig vo öisere Schöpfig und für d'Würdi vom mönschliche Läbe uf allne Kontinent.
Liebe Chomerinne und Chomer. Vielleicht hend si dänkt, als Ständeratspräsident und Zuger würde ich über ganz anderi Thema rede:
Ich würde über die 180 Mio. Franke jommere, wo mer als Zuger i NFA zahle müend.
Ich würd mich i de Chor vo dene iglidere, wo d’Problem vo de Jugendgewalt oder Integration vo Frömde für Wahlkampfstimmig bruched.
Oder ich würd nid müed wärde, z'behaupte mier Schwizer - und vor allem mier Zuger - sigid die beschte, und die andere sellid sich elei a öis es Bispil näh.
All das will ich nid... und zwar drum, will ich dänke, dass d’Schwyzerinne und d’Schwyzer grad amene 1. August selled bescheide, offe und dankbar blibe. Dass meh bi allne gsellschaftliche Froge und Problem de Muet für en gueti Zuekunft vo öisem Land nid verlürt und au d'Fröid a de Schwiz dörf zeige - all das ghört au zum 1. August.
Ich danke Ihne für Ihri Ufmerksamkeit.