Sehr geehrte Bernerinnen und Berner von Stadt und Kanton
Ich heisse Sie herzlich willkommen im neuen, alten Parlamentsgebäude und freue mich, Sie als unsere ersten offiziellen Gäste begrüssen zu können.
Sehr geehrter Herr Präsident des österreichischen Bundesrates
Sehr geehrter Herr Botschafter der Bundesrepublik Österreich
Sehr geehrte Frau Grossratspräsidentin
Sehr geehrter Herr Stadtratspräsident
Sehr geehrter Herr Generalsekretär der Bundesversammlung
Sehr geehrter Herr Aebi
Wehrte Kolleginnen und Kollegen von National- und Ständerat
Liebe ehemalige Mitglieder der eidgenössischen Räte
Stadt, Kanton und Bundesbern haben bereits ein gutes Stück gemeinsamen Weges hinter sich. Vor fast genau 160 Jahren – am 28. November 1848 – wählte das Parlament Bern zur Bundesstadt. Das Angebot der Stadtberner Behörden war ja in der Tat von den Ratsmitgliedern kaum auszuschlagen: Sie versprachen, die vom Bund benötigten Arbeitsräume gratis zur Verfügung zu stellen. Der Expansionsdrang der Verwaltung – wie Sie sie sehen, ist das kein Phänomen unserer Zeit – führte schon bald dazu, dass Ständerat und Nationalrat in einem separaten Gebäude untergebracht werden mussten.
Bern hatte aber dazu gelernt, die Stadt liess sich diesmal das Bauland an exklusiver Lage bezahlen. In der Nacht der Jahrhundertwende vom 31. Dezember 1899 zum 1. Januar 1900 strahlte zum ersten Mal das weisse Licht der Bogenlampe aus der Kuppel ins weite, dunkle Land hinaus, bevor es ein gutes Jahr später eingeweiht worden war. Das weisse Licht sei übrigens bis zum Jura und den Alpen sichtbar gewesen. Auch wenn der Chronist von Fantasie beflügelt vermutlich etwas übertrieb, so ist die Vorstellung, dass ein so bedeutendes Haus von verschiedenen Ecken des Kantonsgebietes sichtbar ist, eine reizvolle.
Liebe Bernerinnen und Berner
Ich hoffe, Stadt und Kanton haben es in den 160 Jahren nie bedauert, sich einst um den Sitz von Parlament, Regierung und Verwaltung beworben zu haben. Bundesstadt zu sein bedeutet ja nicht nur Würde, sondern eben auch Bürde. Die Bundesversammlung – und da vermute ich, spreche ich für die Mehrheit seiner Mitglieder – fühlt sich in Bern sehr gut aufgehoben. Wenn man so viele Tage im Jahr hier verbringt, und zwar nicht nur im Bundeshaus, so wächst einem die Stadt ans Herz und wird zur zweiten Heimat.
Sehr geehrte Damen und Herren
Erlauben Sie mir, zwei Gäste persönlich zu begrüssen. Ich freue mich, dass mein österreichischer Amtskollege, Herr Bundesratspräsident Jürgen Weiss und der Botschafter der Bundesrepublik Österreich, Herr Hans Peter Manz, an der „Ouverture“ dabei sein können.
Zwischen Österreich und der Schweiz gibt es nämlich mehr Verbindungen als die Habsburger, Kaiserin Elisabeth und das grossartige Fussballereignis vom vergangenen Juni. Unser Bundeshaus wäre wohl nicht in dieser Perfektion entstanden, hätte der Architekt Hans Willhelm Auer nicht beim Bau des österreichischen Parlamentsgebäudes wertvolle Erfahrungen machen und diese hier umsetzen können. Auer war Assistent von Theophil Hansen, der ihm 1874 während zehn Jahren die Leitung der Grossbaustelle am Wiener Karl-Renner-Ring übertrug.
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen aus dem eidgenössischen Parlament
Obschon Hans Willhelm Auer uns ein wunderbares Gebäude gebaut hatte, war nach über 100 Jahren eine Sanierung unumgänglich. Die zweieinhalbjährige Bauzeit hat uns allen viel Flexibilität abverlangt und es war, seien wir ehrlich, manchmal auch recht mühsam. Sanierung und Umbau machten auch eine Session extra muros in Flims notwenig, die aber, so meine ich rückblickend zu den schönsten Ereignissen der vergangen Legislatur zählt.
Die Geduld hat sich gelohnt. Wir haben ein Baudenkmal zurück erhalten, das den Bedürfnissen von heute, aber auch denjenigen in den kommenden Jahrzehnten entspricht. In diesem Arbeitsumfeld werden wir hoffentlich unsere Aufgabe noch gewissenhafter erfüllen können.
Ich danke Ihnen