<p>Bern, 22. Jan. (sda) Nach dem erfolgreichen ersten Lehrstellenbeschluss soll das Parlament nachdoppeln. Mit 100 Millionen Franken will eine Nationalratskommission in den nächsten fünf Jahren neue Massnahmen finanzieren. Sie denkt vor allem an schwache Schüler, Hig-Tech-Lehrlinge und Frauen. </p>

Unter dem Eindruck der Lehrstellenmisere bewilligten die Räte letztes Jahr 60 Millionen für Sofortmassnahmen. Damit konnten 5000 neue Lehrstellen geschaffen werden. Weil dieser Beschluss im August 2000 ausläuft und ein revidiertes Berufsbildungsgesetz frühestens 2003 in Kraft treten kann, schlägt die Nationalratskommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) nun einstimmig und ohne Enthaltung einen zweiten Lehrstellenbeschluss vor.

Einstiegsjahr statt Wartsaal

Der neue Erlass verlege das Schwergewicht von der Quantität auf die Qualität, erklärten WBK-Präsidentin Brigitta Gadient (SVP(GR) und Ruth Grossenbacher (CVP/SO) vor der Presse. Die Lage habe sich zwar entspannt, doch gelte dies nicht für alle Bereiche. Zu klein sei das Lehrstellenangebot vor allem für Anwärter und Anwärterinnen auf besonders anspruchsvolle Berufe, für schulisch oder sozial schwache Jugendliche, dazu allgemein für die Frauen, die sich noch immer mit einem zu engen Berufsspektrum zufrieden gäben.

Die beantragten 100 Millionen Franken möchte die WBK deshalb auf Kampagnen und Massnahmen in diesen drei Bereiche konzentrieren. In High-Tech-Branchen wie Biotechnologie und Informatik beispielsweise sollen Kleinstbetriebe beim Zusammenschluss zu Ausbildungsverbünden unterstützt werden. Schwache Schülerinnen und Schüler sollen nicht länger im "Wartsaal" eines 10. Schuljahres versauern, sondern mit einem klar konzipierten Einstiegsjahr auf eine Berufslehre vorbereitet werden.

Reine Mädchenklassen?

Mit Sensibilisierungskampagnen, einem verbesserten Lehrstellen-Angebot und neuen Ausbildungsformen sollen junge Frauen ermuntert werden, in geschlechtsuntypische, innovative und zukunftsgerichtete Berufe einzusteigen. Dabei denkt die WBK auch an die Einführung reiner Mädchenklassen in naturwissenschaftlich-technischen Fächern und an eine besondere Betreuung in männerdominierten Berufen.

sda/ats 22.01.1999