Stand der NEAT-Projekte
Die NEAT-Aufsichtsdelegation (NAD) nahm an ihrer Tagung den NEAT-Standbericht des Bundesamtes für Verkehr per Ende 2009 zur Kenntnis. Zudem begann sie mit der Lesung ihres Tätigkeitsberichtes für das Jahr 2009. Von der AlpTransit Gotthard AG liess sie sich über den Stand der Projekte am Gotthard und am Ceneri sowie über die Bahntechnik des Gotthard-Basistunnels orientieren. Im Weiteren nutzte die NAD den Besuch im Heimatkanton ihres Präsidenten für eine Aussprache mit einem Vertreter der Zürcher Kantonsregierung und für eine Baustellenbesichtigung der Durchmesserlinie Zürich.

NEAT-Standbericht des BAV per Ende 2009

Die Termin- und Kostenprognosen für das Gesamtprojekt NEAT sind im zweiten Halbjahr 2009 stabil geblieben. Das BAV schätzt die gesamten Kosten bis zum Projektabschluss weiterhin auf 18,7 Milliarden Franken (Preisstand 1998, ohne Teuerung, Mehrwertsteuer und Bauzinsen). Der 2008 von den eidg. Räten verabschiedete NEAT-Gesamtkredit umfasst 19,1 Milliarden Franken; damit ist die NEAT weiterhin voll ausfinanziert. Bei den Terminen rechnet das BAV nach wie vor mit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels im Jahr 2017 und des Ceneri-Basistunnels 2019.

Projektstand Gotthard und Ceneri

Per 1. April 2010 sind am Gotthard 95,4% der rund 151,8 km Tunnel, Schächte und Stollen ausgebrochen. Damit fehlen bis zum Hauptdurchschlag in der Oströhre zwischen Faido und Sedrun nur noch rund 2'300 m. Dieser Durchschlag wurde von der ATG inzwischen auf den 15. Oktober 2010 prognostiziert. In der Weströhre im selben Teilabschnitt kam es Anfang März zu einem Gesteinsniederbruch. Die Tunnelbohrmaschine wurde zwar nicht blockiert, der rund 2'700 m3 grosse Hohlraum bedingt aber umfangreiche Sicherungsmassnahmen und führt zu einer Verzögerung von mehreren Monaten. Der Gesamtterminplan wird dadurch nicht beeinflusst.

Am Ceneri wurde Mitte März 2010 mit der Sprengung beim Zwischenangriff in Sigirino begonnen. Inzwischen begann der Vortrieb auch beim Südportal in Vezia. Beim Nordportal konnte die Absenkung der Autobahn A2 bei rund 12 cm stabilisiert werden, die Senkung der SBB-Bahninie liegt mit rund 1 cm weit unterhalb kritischer Werte. Das Projekt ist insgesamt gut unterwegs, einzig beim Nordportal in Vigana ist der Vortrieb gegenüber dem Bauprogramm ca. 4 Monate im Rückstand.

Bahntechnik im Gotthard-Basistunnel

Die NAD hat sich in den letzten Monaten eingehend mit den Risiken im Bereich der Bahntechnik befasst und dabei insbesondere die Schnittstellen zwischen dem Bundesamt für Verkehr (BAV) als Aufsicht, der SBB als künftiger Betreiberin und der ATG als Projektverantwortliche diskutiert. Die Beteiligten haben die Risiken erkannt. Ein konsequentes Änderungsmanagement mit klaren Verfahrensabläufen wurde festgelegt, die Koordination wurde verstärkt. Die entsprechende Vereinbarung soll in den nächsten Tagen unterzeichnet werden, die Umsetzung beginnt unverzüglich im Rahmen eines Workshops. Als eine der wesentlichen Erfahrungen aus den bisherigen Arbeiten wird das Bauprojekt für die Bahntechnik am Ceneri überarbeitet.

NEAT-Anschlüsse in Deutschland

Die NAD zeigt sich beunruhigt über den Stand der Arbeiten in Deutschland. Insbesondere aufgrund zahlreicher Einsprachen auf der Strecke Basel-Karlsruhe drohen Verzögerungen. Sie richtet deshalb die Empfehlung an die Verkehrskommissionen, sich der Risiken bei den NEAT-Anschlüssen in Süddeutschland (Verzögerungen, Finanzierung, Einhaltung der Vereinbarung zwischen der Schweiz und Deutschland) näher anzunehmen und – analog dem Treffen mit italienischen Parlamentariern 2009 – in Zukunft auch eine direkte Kontaktnahme mit deutschen Parlamentariern ins Auge zu fassen.

Besichtigung Durchmesserlinie Zürich

Die Besichtigung gewährte der NAD einen guten Einblick in die Komplexität der grössten Stadtbaustelle in der Schweiz. Die Anforderungen sind angesichts des ständig weiter fliessenden Verkehrs und der engen Platzverhältnisse enorm. Besonderes beeindruckt zeigte sich die NAD von der Tatsache, dass bisher kein einziger schwerer Unfall beklagt werden musste. Im Weiteren liess sich die NAD über die vielschichtige Finanzierung des Projektes orientieren. Das Projekt hat zwar keinen direkten Zusammenhang mit der NEAT, wird jedoch im Rahmen der ZEB-Projekte ebenfalls aus dem FinöV-Fonds finanziert.

Weitere Geschäfte

Die NAD behandelte ausserdem eine Reihe von Standardtraktanden und liess sich von der SBB über die Strategie der Bahnstromversorgung orientieren. In einer Aussprache mit einem Vertreter des Regierungsrates des Kantons Zürich diskutierte die NAD verschiedene Aspekte des öffentlichen Verkehrs in Zürich (Verkehrsströme; Perspektiven; Finanzierung von Projekten; Einbindung in gesamtschweizerische Vorhaben).  

Die NAD tagte am 14./15. April 2010 unter dem Vorsitz ihres Präsidenten Max Binder in Zürich und auf dem Uetliberg. An der Sitzung nahmen teil Vertreter der EFK, des BAV, der Eidg. Finanzverwaltung (EFV), der SBB und der ATG.

 

Bern, 16. April 2010 Parlamentsdienste