Der Ständeratspräsident und seine Delegation wurden bei diesem offiziellen Besuch vom Präsidenten der madagassischen Nationalversammlung, Jean Max Rakotomamonjy, empfangen. Ausserdem hatte die Schweizer Delegation Gelegenheit, den Präsidenten, den Premierminister, mehrere Regierungs- und Parlamentsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter regionaler und lokaler Behörden zu treffen. Zudem fanden Gespräche mit weiteren wichtigen politischen Persönlichkeiten statt, so unter anderem mit den ehemaligen Ministern und Kandidaten bei der Präsidentschaftswahl von 2013, Dr. Jean-Louis Richard Robinson und Hajo Herivelona Andrianainarivelo.
Die Schweiz hat aktiv zum Entwicklungsprozess Madagaskars beigetragen. Ständeratspräsident Hêche begrüsste bei seinem Besuch die freien und transparenten Wahlen von Ende 2013, welche die Entwicklung des Landes weiter vorangetrieben hätten. Einen weiteren wichtigen Schritt stelle zudem das Investitionsschutzabkommen zwischen der Schweiz und Madagaskar dar, welches 2008 unterzeichnet, im Oktober 2014 von der madagassischen Nationalversammlung ratifiziert und am 7. Mai 2015 – unmittelbar vor dem Besuch der Schweizer Delegation – vom Präsidenten des Landes in Kraft gesetzt worden war.
Der Besuch bot ausserdem Gelegenheit, die engen Beziehungen zwischen der Schweiz und Madagaskar zu festigen, die abgesehen vom oben genannten Abkommen auch in der Zusammenarbeit zwischen Organisationen der Zivilgesellschaft ihren Ausdruck finden. Insgesamt sind auf der Insel rund 60 Schweizer NGOs und Gemeinden tätig. Deren finanzielle Beiträge belaufen sich 2015 auf mehrere Millionen Schweizer Franken.
Auf dem Programm, dessen Schwerpunkt verschiedene private und/oder öffentliche wohltätige Projekte bildeten, stand zunächst der Besuch der Höheren Fachschule von Vakinankaratra. Diese von Félix Ramananarivo, dem ehemaligen Bischof der Diözese Antsirabé, und dem Schweizer Journalisten José Ribeaud gegründete Fachschule bietet Ausbildungen in den Bereichen Kommunikation, Ökotourismus, Hotellerie und Gastgewerbe sowie Elektromechanik an. Ständeratspräsident Hêche hielt an der Fachschule einen Vortrag über den Föderalismus, öffentlich-private Partnerschaften sowie Forstwirtschaft und Waldschutz.
Seit der Unabhängigkeit Madagaskars im Jahr 1960 setzt sich die Schweiz mit mehreren Programme für eine bessere Verwaltungsführung und die Stärkung der lokalen, insbesondere ländlichen Gemeinwesen ein. Auf diese Weise will die Schweiz ihre Erfahrungen im Bereich der Dezentralisierung, einem wesentlichen Element der direkten Demokratie der Schweiz, mit der Bevölkerung und den Behörden Madagaskars teilen.
Der Ständeratspräsident und seine Delegation trafen sich vor Ort mit Akteuren und Begünstigten des Programms MATOY, das von der DEZA finanziert wird. Über dieses mit jährlich 1,6 Millionen Franken dotierte Programm führt die Schweiz ihre Entwicklungszusammenarbeit der vergangenen 50 Jahre weiter. Das Programm wird von einem NGO-Konsortium (Helvetas Swiss Intercooperation, SAHA und AIM) durchgeführt und von der Schweizer Botschaft vor Ort aktiv begleitet. Es konzentriert sich auf drei Regionen und die drei Themen Bodenrecht, partizipatives Budget und lokale Wirtschaftsentwicklung.
Danach nahm die parlamentarische Delegation gemeinsam mit mehreren madagassischen Regierungsmitgliedern an der Eröffnung einer Messe teil. Diese bot eine Plattform für den Erfahrungs- und Meinungsaustausch und wurde im Rahmen der Umsetzung einer der Schwerpunkte des madagassischen Entwicklungsplans «Integratives Wachstum und territoriale Verankerung der Entwicklung» organisiert, welcher wiederum dem Hauptziel des Programms MATOY, nämlich der Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung Madagaskars, entspricht.
Die offizielle Reise wurde mit einem Besuch der Africa Mercy beendet, dem grössten nichtstaatlichen Krankenhausschiff der Welt mit einer Besatzung von mehr als 400 Freiwilligen aus allen Herren Ländern, die Tausenden von Personen Hoffnung und Heilung bringen. Roland Decorvet, geschäftsführender Direktor, und Pierre Christ, Verantwortlicher für die Kontakte zu den Regierungen, empfingen die parlamentarische Delegation an Bord des Krankenhausschiffes, auf dem jährlich bis zu 7'000 Operationen durchgeführt werden, darunter Kataraktoperationen, Tumorentfernungen, Lippen- und/oder Gaumenspaltenverschlüsse, orthopädische Eingriffe und Scheidenfisteloperationen.
Der Ständeratspräsident würdigte das Engagement und die Leistungen der Vertreterinnen und Vertreter der in Madagaskar tätigen Schweizer Institutionen und NGOs und hob dabei insbesondere den Schweizer Botschafter in Madagaskar, Eric Mayoraz, und sein Team hervor.
Die Delegation des Ständeratspräsidenten setzte sich zusammen aus Ständerätin Christine Egerszegi-Obrist (FDP, AG), den Ständeräten René Imoberdorf (CSPO, VS) und Luc Recordon (Grüne, VD) sowie Nationalrat Pierre-François Veillon (SVP, VD). Ebenfalls dabei waren Martina Buol, stellvertretende Generalsekretärin der Bundesversammlung und Sekretärin des Ständerates, sowie der aussenpolitische Berater Cédric Stucky.
Bern, 20. Mai 2015 Parlamentsdienste