Eine Delegation der Aussenpolitischen Kommission des Nationalrates (APK-N) weilte vom 22. bis 26. Oktober 2018 in China und Kasachstan. Im Zentrum des Aufenthaltes stand die chinesische «Belt and Road Initiative» (BRI). Die Delegation hat verschiedene Stationen entlang der «Neuen Seidenstrasse» bereist und sich mit den politischen und ökonomischen Implikationen dieses Grossprojekts und dessen Bedeutung für die Schweiz auseinandergesetzt. Ebenfalls thematisiert wurde die Menschenrechtslage in der Region und die Wichtigkeit der Einhaltung von internationalen Standards bei der Umsetzung der Initiative.

Im Rahmen regelmässigen Vertiefungsrunden hat sich die APK-N an den vergangenen Sitzungen mit der «Belt and Road Initiative» befasst, welche den Auf- und Ausbau interkontinentaler Handels- und Infrastruktur-Netze zwischen China und verschiedenen Ländern Asiens, Afrikas und Europas vorantreibt. Um diese komplexe Thematik vertiefen zu können, hat die Kommission beschlossen, dass die diesjährige Informationsreise nach China und Kasachstan führen soll.

Die Studienreise der achtköpfigen Delegation begann am Montag, 22. Oktober 2018 in Peking, wo sie von ZHANG Yesui, dem Präsidenten des Aussenpolitischen Ausschusses des Chinesischen Volkskongresses empfangen wurde. Im Zentrum des Gesprächs stand die Würdigung der langjährigen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern, die von thematischer Vielfalt (Zusammenarbeit in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Ausbildung, Umwelt, Tourismus und Menschenrechte) und einem hohen Rhythmus bilateraler Besuche geprägt sind. Das seit 2014 in Kraft getretene gemeinsame Freihandelsabkommen stellt ein Meilenstein in den Beziehungen dar. Die Delegation informierte sich zudem über die Motivation und Strategie Chinas bezüglich BRI und betonte, dass aus Sicht der Schweiz die Einhaltung hoher Standards bzgl. Auftragsvergabe, Gouvernanz, Menschenrechte und Umwelt von grosser Bedeutung für eine erfolgreiche Umsetzung der Initiative sind.

Nach einem kurzen Aufenthalt in der Hauptstadt reiste die Delegation nach Chengdu, einem der grössten Wirtschaftszentren des Landes und dem wichtigsten Verkehrsknotenpunkt in Westchina. Die Delegation machte sich im Rahmen der Besichtigung eines Eisenbahn-Güterterminals ein Bild vom Realisierungsstand der BRI; ausserdem wurde sie vom Volkskongress von Sichuan empfangen. Wie auch an den anderen Stationen entlang der «Neuen Seidenstrasse», tauschte sie sich zudem mit Vertreterinnen und Vertreter von Schweizer Unternehmen sowie mit nationalen und internationalen Experten über die Chancen und Risiken von BRI aus. Im Gespräch mit verschiedenen Wirtschaftsvertretern erörterte sie auch die Bedeutung des Freihandelsabkommens, welches die hochgesetzten Erwartungen noch nicht vollständig erfüllt hat. Ebenso thematisiert wurde die Reziprozität bezüglich Markteintritt für Schweizer Firmen sowie die chinesischen Investitionen in der Schweiz. 

In Urumqi, einem weiteren Knotenpunkt auf der «Neuen Seidenstrasse», traf sich die Delegation mit Vertretern des Volkskongresses von Xinjiang. Neben einem Austausch über die Bedeutung von BRI für die Region sowie über deren wirtschaftliche Situation und politische Herausforderungen, nutzte die Schweizer Delegation das Gespräch um ihrer Besorgnis Ausdruck zu verleihen, was die sich verschlechternde Menschenrechtslage in der Region, und insbesondere die Situation der Uigurischen Minderheit, anbelangt.

Die Schweiz führt seit 1991 einen Menschrechtsdialog mit China. Die Delegation tauschte sich während der Reise verschiedentlich mit Mitgliedern der Zivilgesellschaft aus, welche sich für u.a. für die Rechte von Menschenrechtsverteidigern, Minderheiten und Arbeitsmigranten einsetzen. Unabhängig von der aussenwirtschaftlichen Schwerpunktsetzung der Reise nutzte die Delegation die verschiedenen offiziellen Gespräche auch, um Menschenrechtsthemen anzusprechen. Die Delegation ist der Überzeugung, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit, bspw. im Rahmen der BRI, auch dazu dienen kann, Schweizer Werte wie Rechtstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechte zu vermitteln. 

Von Urumqi reiste die Delegation nach Almaty weiter. Kasachstan kommt aufgrund seiner geographischen Lage, seiner ressourcenreichen Böden und seiner Grösse als Transitland für chinesische Güter eine Schlüsselrolle zu. Der Aufenthalt in Almaty erlaubte es der Delegation, sich ein Bild vom Realisierungsstand und von der Perzeption der BRI in einem Partnerstaat zu machen.

Während ihrer Reise konnte die Delegation wiederholt feststellen, dass es sich bei BRI um ein prestigereiches aussenpolitisches Projekt handelt, welches über rein ökonomische Motive hinausgeht, dessen Realisierungstand aber vielerorts noch im Vagen bleibt. Ob sich die ehrgeizigen Ziele in die Realität umsetzen lassen, wird nach Einschätzung der Delegation insbesondere davon abhängen, in wie weit China bereit ist sicherzustellen, dass alle Länder entlang der Seidenstrasse angemessen vom Projekt profitieren und internationale Standards eingehalten werden können.

Die Aussenpolitischen Kommissionen entsenden jedes Jahr je eine Delegation auf eine Auslandreise. Die Delegation wird die Erkenntnisse aus diesem Aufenthalt in die APK-N zurücktragen und der Kommission empfehlen, sich weiter mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die diesjährige Delegation der APK-N stand unter der Leitung der Kommissionspräsidentin Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP/BL) und setzt sich zusammen aus den Nationalrätinnen Sibel Arslan (G/BS) und Claudia Friedl (SP/SG), sowie den Nationalräten Andreas Aebi (SVP/BE), Walter Müller (FDP/SG), Yves Nidegger (SVP/GE), Maximilian Reimann (SVP/AG) und Manuel Tornare (SP/GE).