Nationalratspräsident Andreas Aebi (SVP, BE) und Ständeratspräsident Alex Kuprecht (SVP, SZ) empfingen am 15. Juni 2021 den estnischen Parlamentspräsidenten Jüri Ratas zu einem offiziellen Besuch in Bern. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die Zusammenarbeit der beiden Länder in den Bereich Cybersicherheit und E-Governance, die künftigen Beziehungen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union (EU) sowie die politische Situation und die Sicherheitslage in Russland, Belarus und der Ukraine, d. h. in Ländern unweit von Estland.

Der estnische Parlamentspräsident weilte am 15. Juni 2021 in der Schweiz und kam so einer Einladung nach, die im Oktober 2020 bei einem Besuch der damaligen Nationalratspräsidentin in Tallinn ausgesprochen worden war.

Im offiziellen Gespräch hoben Nationalratspräsident Andreas Aebi und der estnische Parlamentspräsident Jüri Ratas die ausgezeichneten Beziehungen zwischen ihren beiden Ländern hervor und begrüssten, dass dieses Jahr bereits der 100. Jahrestag der Anerkennung der Unabhängigkeit Estlands durch die Schweiz gefeiert werden kann. Nationalratspräsident Aebi betonte zudem, dass die beiden Länder bei den Projekten im Rahmen des ersten EU-Erweiterungsbeitrags der Schweiz eng und erfolgreich zusammengearbeitet haben. Der zweite Schweizer Beitrag werde Gelegenheit zu einer weiteren Vertiefung der bilateralen Beziehungen bieten.

Jüri Ratas kündigte an, dass die Fluggesellschaft Swiss ab Juli eine Direktverbindung Zürich–Tallinn anbieten wird, was die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern stärken dürfte. Auch zeigte er sich erfreut über den offiziellen Beitritt der Schweiz zum Kompetenzzentrum zur Bekämpfung der Cyberkriminalität der Nato (Cooperative Cyber Defence Centre of Excellence) mit Sitz in Tallinn sowie über die angekündigte Entsendung von Schweizer Fachpersonen, welche an den Arbeiten dieses Zentrums aktiv mitwirken.

Der estnische Parlamentspräsident unterhielt sich überdies mit der Staatssekretärin des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten, Livia Leu, über den Entscheid des Bundesrates, die Verhandlungen über ein Rahmenabkommen mit der EU zu beenden. Die estnische Delegation sprach sich für die Fortführung des Dialogs zwischen der Schweiz und der EU aus mit dem Ziel, zu einer Art Vereinbarung zu gelangen, die für beide Parteien vorteilhaft ist. Nationalratspräsident Aebi versicherte seinem Gast, dass die künftige Ausgestaltung der Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU von grosser Bedeutung ist. Der Nationalrat habe sich noch am Morgen nach der Einreichung von sieben dringlichen Interpellationen mit diesem Thema befasst.

Die estnische Delegation traf sich auch mit einer Vertretung des Bereichs «Digitale Transformation und IKT-Lenkung» (DTI) der Bundeskanzlei, die ihr die Digitalisierungsstrategie der Schweiz präsentierte. Der estnische Parlamentspräsident Jüri Ratas erläuterte, warum E-Estonia eine Erfolgsgeschichte ist, und äusserte den Wunsch nach einem Ausbau der seit 2017 bestehenden Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Estland im Bereich der E-Governance. Estland ist eines der Länder, das in Sachen E‑Government eine Vorreiterrolle innehat und seit mehr als 20 Jahren in digitale Lösungen investiert. Es ist das einzige Land der Welt, in dem 99 Prozent der öffentlichen Dienstleistungen online zugänglich sind.


Nationalratspräsident Andreas Aebi (SVP, BE) empfängt den estnischen Parlamentspräsidenten Jüri Ratas vor den «Drei Eidgenossen».
Austausch von Geschenken zwischen Nationalratspräsident Andreas Aebi (SVP, BE) und dem estnischen Parlamentspräsidenten Jüri Ratas
Der estnische Parlamentspräsident Jüri Ratas bei seinem Treffen mit der Staatssekretärin des Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), Livia Leu
Der estnische Parlamentspräsident Jüri Ratas beim Fotografieren der Fahnen der Schweiz und der estnischen Republik am Parlamentsgebäude