Nationalratspräsident Jürg Stahl (SVP, ZH) weilte auf Einladung der isländischen Parlamentspräsidentin Unnur Brá Konráðsdóttir vom 2. bis 9. September 2017 zu einem offiziellen Besuch in Island. Es handelte sich dabei um den ersten bilateralen Arbeitsbesuch eines Ratspräsidenten in Island.

​Das Verhältnis der beiden Länder, die seit 1951 diplomatische Beziehungen unterhalten, ist ausgezeichnet. Bilaterale Kontakte pflegen die beiden Länder vor allem im Rahmen der Europäischen Freihandelsassoziation (European Free Trade Association, EFTA), der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und im Europarat.

Im isländischen Parlament sind zurzeit sieben Fraktionen vertreten. Das Parlament (Althingi) umfasst 63 Parlamentsmitglieder mit einem Frauenanteil von über 47%.

Der Nationalratspräsident und die isländische Parlamentspräsidentin haben bei ihrem Treffen über die Eckpunkte der sehr guten bilateralen Beziehungen zwischen der Schweiz und Island diskutiert. In gewissen Bereichen könnte die Zusammenarbeit intensiviert werden, wie beispielsweise bei der Ausbildung von Arbeitskräften im Tourismusbereich. Das Wachstum im Tourismus in Island wird langsam problematisch. 2010 kamen rund 460‘000 Touristen. 2017 rechnet man mit 2,5 Millionen. Die Infrastruktur kann dieser Entwicklung nicht standhalten und der grösste Teil der rund 30‘000 angestellten im Tourismusbereich verfügt nicht über die notwendige Fachausbildung. Die Beziehungen zur EU wurden ebenfalls angesprochen. Ein EU-Beitritt Islands stand früher zur Diskussion, ist heute jedoch kein Thema mehr.

Mit Sturla Sigurjónsson, permanenter Staatssekretär im Aussenministerium wurde die sehr gute Zusammenarbeit der beiden Länder im Rahmen der EFTA nochmals betont. Beide Seiten schauen gespannt auf die Brexit-Verhandlungen und auf die generellen Entwicklungen der EU, welche sowohl für Island als EFTA/EWR Land wie auch für die Schweiz von Bedeutung sein könnten.
Nationalratspräsident Jürg Stahl hatte auch die Gelegenheit, sich mit den Mitgliedern der isländischen EFTA/EWR-Delegation auszutauschen. Dabei stand die Frage der Liberalisierung der Agrarwirtschaft im Vordergrund.

Anlässlich des Höflichkeitsbesuchs beim isländischen Staatspräsidenten Guðni Thorlacius Jóhannesson kam die mögliche Zusammenarbeit im Bildungsbereich insbesondere für Berufe in der Tourismusbranche nochmals zur Sprache. Staatschef Jóhannesson sprach auch über die Zusammenarbeit im Kulturbereich und erwähnte insbesondere eine Partnerschaft zwischen der Stadt Reykjavik und der Art Basel für ein Kunstprojekt.

Nationalratspräsident Jürg Stahl benutzte die Gelegenheit seines Island-Aufenthaltes um sich mit dem Präsidenten des isländischen Fussballverbandes (KSÍ), Guðni Bergsson, sowie mit dem Präsidentender National Olympic and Sports Association of Iceland, Lárus Blöndal, über das Thema Sportförderung auszutauschen. Der Fokus lag dabei unter anderem auf den Massnahmen, welche durch die isländischen Sportvereine ergriffen worden sind und welche massgeblich zu den sportlichen Erfolgen der isländischen Nationalmannschaften im Handball, im Basketball oder auch im Fussball beigetragen haben.

Ausserdem stand eine Besichtigung der Baustelle des 7,2 km langen Vadlaheiditunnels im Norden Islands auf dem Programm, der dazu beitragen soll, dass die um die Insel führende Ringstrasse ganzjährig befahrbar wird. Es handelt sich dabei um ein ebenso anspruchsvolles als auch ambitiöses Infrastrukturprojekt, mit dessen Ausführung eine Schweizer Baufirma beauftragt worden ist. Nationalratspräsident Jürg Stahl konnte sich dabei mit dem Schweizer Vortriebschef über die Erfahrungen und Herausforderungen beim Tunnelbau auf der erdgeschichtlich noch sehr jungen Insel unterhalten.