Nationalratspräsidentin Marina Carobbio Guscetti (SP, TI) empfing am 5. Juni 2019 den nordmazedonischen Parlamentspräsidenten Talat Xhaferi und dessen Delegation in Bern. Es ist der erste Schweiz-Besuch eines Parlamentspräsidenten der Republik Nordmazedonien, seit das westbalkanische Land die Unabhängigkeit erlangt hat. Bei seinem offiziellen Besuch in der Schweiz hatte Talat Xhaferi Gelegenheit, sich mit Ständeratspräsident Jean-René Fournier (CVP, VS), der stellvertretenden Staatssekretärin des Eidgenössischen Departementes für auswärtige Angelegenheiten (EDA), Krystyna Marty Lang, und der Delegierten des Bundes für Mehrsprachigkeit, Nicoletta Mariolini, zu unterhalten.

​Am 5. Juni empfing Nationalratspräsidentin Marina Carobbio den Parlamentspräsidenten der Republik Nordmazedonien, Talat Xhaferi, welcher der albanischen Minderheit angehört, die 25 Prozent der Bevölkerung Nordmazedoniens ausmacht. Bei ihrem offiziellen Gespräch hob Marina Carobbio die engen bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Ländern hervor, zu deren Festigung insbesondere die grosse Gemeinschaft von 60'000 Nordmazedonierinnen und -mazedoniern beiträgt, die in der Schweiz leben und arbeiten.

Marina Carobbio gratulierte dem nordmazedonischen Parlament zur Ratifizierung des Prespa-Abkommens, mit dem der Streit mit Griechenland um den verfassungsmässigen Namen Nordmazedoniens beigelegt wurde. Dieses Abkommen eröffnet Nordmazedonien neue Perspektiven in Bezug auf einen NATO- und EU-Beitritt. Die Nationalratspräsidentin erinnerte ausserdem daran, dass Nordmazedonien ein Schwerpunktland der schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit ist (DEZA und SECO). Von 2017 bis 2020 sollen 76 Millionen Franken an Projekte in Nordmazedonien ausgerichtet werden. Die Schweiz ist dort im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit hauptsächlich in drei Bereichen aktiv: demokratische Regierungsführung, Wirtschaft und Beschäftigung sowie Infrastruktur und Umwelt.

Darüber hinaus leistet die Schweiz dem nordmazedonischen Parlament seit 2016 technische Unterstützung, welche von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) finanziert wird. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wurden konkrete Projekte wie ein Online-Reservierungssystem für Führungen im nordmazedonischen Parlament sowie die ein Polit-Spiel umgesetzt. Die Nationalratspräsidentin zeigte sich erfreut über den Erfolg und die Fortführung dieser parlamentarischen technischen Zusammenarbeit.

Neben den bilateralen Beziehungen und der Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Nordmazedonien kam auch der Umgang mit sprachlichen und kulturellen Minderheiten in den beiden Ländern zur Sprache. Seit 2019 ist in Nordmazedonien ein neues Sprachengesetz in Kraft, welches Albanisch auf allen Staatsebenen sowie im Parlament zu einer Amtssprache erklärt. Bei den verschiedenen Treffen liess sich der nordmazedonische Parlamentspräsident Talat Xhaferi darüber informieren, wie in der Schweiz mit der Mehr- und Zweisprachigkeit auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene umgegangen wird. Zu diesem Zweck besuchte die nordmazedonische Delegation am 6. Juni Biel, wo sie mehr über die Umsetzung der Zweisprachigkeit in dieser Stadt und das duale Bildungssystem in der Schweiz erfuhr.

Im Weiteren wurde im Rahmen des offiziellen Besuchs von Talat Xhaferi die Lage auf dem Westbalkan thematisiert. Die stellvertretende Staatssekretärin des EDA, Krystyna Marty Lang, bekräftigte, dass Stabilität und Entwicklung auf dem Balkan für die Schweiz von grosser Bedeutung sind. Das Abkommen mit Griechenland, das Nordmazedonien am 17. Juni 2018 unterzeichnet hatte, ist in diesem Sinne historisch, denn es dürfte zu fruchtbareren und stabileren Beziehungen auf dem gesamten Westbalkan führen.