Vom 4. bis zum 8. November 2024 weilte Ständeratspräsidentin Eva Herzog in Begleitung einer Delegation des Schweizer Parlaments in Südkorea. Erst im Jahr zuvor hatten die Schweiz und Südkorea das 60-jährige Bestehen ihrer bilateralen Beziehungen gefeiert. Die südkoreanisch-schweizerische Freundschaftsgruppe des südkoreanischen Parlaments war zum Zeitpunkt des Besuchs aufgrund der Wahlen vom April 2024 noch nicht konstituiert. Die Schweizer Delegation hatte stattdessen die Gelegenheit, einige der neu gewählten Parlamentsmitglieder kennenzulernen.

Die offiziellen Treffen zeugten von der Stabilität der bilateralen Beziehungen und vom gemeinsamen Willen, den Austausch – namentlich in den Bereichen Handel, Innovation und Forschung – auszubauen. Bei den Gesprächen mit dem Interimspräsidenten der südkoreanischen Nationalversammlung, Lee Hack-young, und dem Bürgermeister von Seoul, Oh Se-hoon, wurden die Gemeinsamkeiten der beiden Länder hervorgehoben. Zudem wünschten sich beide Seiten einen Wissensaustausch in wichtigen Forschungsbereichen und einen Erfahrungsaustausch über allgemeine Themen wie Gesundheit, Überalterung der Bevölkerung, Sozialversicherungssystem und Städteplanung.

Die Schweizer Delegation erfuhr zudem mehr über die Dynamik des südkoreanischen Markts, welcher den Schweizer Unternehmen enorme Möglichkeiten in Schlüsselsektoren wie der Biotechnologie und der Hightech eröffnet. Beide Seiten waren sich einig, dass das Freihandelsabkommen zwischen der EFTA und Südkorea möglichst rasch modernisiert werden sollte, um die Wirtschaftsbeziehungen an die aktuellen Herausforderungen anzupassen.

Im Weiteren besuchte die Delegation aus der Schweiz die Ewha Womans University in Seoul. Die Gespräche mit Mitgliedern der akademischen Kreise verdeutlichten das hohe wissenschaftliche Potenzial Südkoreas und den Nutzen, den eine verstärkte Zusammenarbeit – namentlich in Wachstumsbereichen wie den Quantenwissenschaften und dem digitalen Wandel – für die Schweiz haben kann.

Einen besonderen Moment der Reise stellten der Besuch an der Demarkationslinie zwischen Süd- und Nordkorea sowie der dortige Austausch mit den Schweizer Mitgliedern der Neutralen Überwachungskommission in Korea (NNSC) dar. Die Delegation bekam einen Einblick darin, welch wichtige Rolle die Schweiz als neutrale Nation seit 1953 in dieser Kommission spielt, deren Aufgabe es ist, den Waffenstillstand zwischen Süd- und Nordkorea zu überwachen und so für Stabilität auf der koreanischen Halbinsel zu sorgen.

Am Rande der offiziellen Treffen nahm Eva Herzog an einem von der Schweizer Botschaft in Südkorea in Zusammenarbeit mit UN Women organisierten Rundtischgespräch über die Rolle der Frau bei der Friedensförderung und der Bewältigung des Klimawandels teil. Ausserdem besichtigte die Ständeratspräsidentin die Ausstellung «Digital Dilemmas – Civilians at Heart». Dieses Gemeinschaftsprojekt der Schweizer Botschaft in Südkorea und des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) anlässlich des 75-Jahr-Jubiläums der Genfer Übereinkommen befasst sich mit den Herausforderungen, die sich durch die Digitalisierung für den Schutz von Zivilpersonen in Konflikten ergeben. In diesem Zusammenhang bot sich auch die Gelegenheit für ein Gespräch mit dem früheren UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon. Eva Herzog lobte diesen dafür, sich während seiner Amtszeit aktiv für die Frauenförderung eingesetzt zu haben.

Dieser Besuch unterstrich den Willen der beiden Länder, ihre strategische Partnerschaft zu stärken, und zeigte, wie wichtig das Schweizer Engagement für Frieden und Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel ist.

Ständeratspräsidentin Eva Herzog wurde auf ihrer Südkoreareise vom Vizepräsidenten des Ständerates, Andrea Caroni (FDP, AR), und von Ständerat Erich Ettlin (Die Mitte, OW) begleitet.