In den Bundeshäusern finden sich beinahe alle bedeutenden historischen Bausteine der Schweiz, vielfach in Werkstücken von einmaliger Qualität. So wollte es Architekt Hans Wilhelm Auer, der sich gar eine komplette nationale Gesteinsschau wünschte. Die Sommerserie 2019 führt Sie durch diese einzigartige Inszenierung des geologischen Reichtums der Schweiz.

​Der Architekt Hans Wilhelm Auer schrieb kurz vor Beginn der Bauarbeiten am Parlamentsgebäude: «Im Innern sollen auch die übrigen Hartsteine und Marmore der ganzen Schweiz, vollständig, ohne Ausnahme, herangezogen werden». Auch wenn sich dieser Plan nicht vollständig umsetzen liess, leisteten doch dreizehn Kantone und Halbkantone aus allen Landesgegenden einen Beitrag zur Ausstattung des Parlamentsgebäudes mit Schweizer Gestein.

Den ersten Teil der Sommerserie widmen wir der Eingangshalle des Parlamentsgebäudes. Mit ihrem farblich unaufdringlichen Ensemble aus grauen, beigen und schwarzen Gesteinen empfängt sie Besucher und Besucherinnen nüchtern, mit typisch schweizerischer Bescheidenheit und stiehlt der Kuppelhalle mit ihren bunten Bogenfenstern nicht die Show.

 

Eingangshalle des Parlamentsgebäudes, rechts

«Marmor» für die Türen …

Die Türgewände sind aus Gris de Roche, einer Varietät der Marmore von Roche.Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man unter «Marmor» nicht dasselbe wie in der Gesteinskunde. Als solchen werden Kalkstein und Dolomit mit ursprünglich sehr kleinen Kristallen bezeichnet, die durch hohen Druck und hohe Temperaturen eine Kornvergrösserung erfahren haben. Solche Gesteine sind entweder weiss oder nur schwach getönt. Für das steinverarbeitende Handwerk und die Steinindustrie hingegen gelten neben den echten auch alle anderen weichen, polierbaren Gesteine wie Kalk- oder Serpentingesteine als Marmore. In den Bundeshäusern finden sich neben rund zwanzig Kalksteinen nur gerade drei echte Marmore, nämlich diejenigen von Grindelwald, Saillon und Carrara.

Der Gris de Roche ist ein Kalkstein: ein unruhiges, aus verkitteten Trümmern bestehendes Gestein in verschiedenen Grautönen, weiss geadert und mit zahlreichen weissen Versteinerungen.

Herkunft: Steinbrüche auf der Ostseite des Rhonetals, zwischen Yvorne und Roche (VD) (in Blau auf der Karte). Für das Parlamentsgebäude ist eine Lieferung aus dem Bruch Truch Fardel bzw. La Coche verzeichnet, der den Betrieb vor Jahrzehnten einstellte.

Detail der Türgewände

… Sandstein für die Mauern …

Für die Wände verwendete man Berner Sandstein von Ostermundigen (in Grün auf der Karte). Diese Gesteinsart war von Anfang an gesetzt, und zwar als Material für das aufgehende Mauerwerk und das Fundament, das wegen des ungünstigen Baugrundes enorme Dimensionen annahm. Schon die Ausschreibung des Bundes- Rathaus machte die «Herren Concurrenten» unmissverständlich darauf aufmerksam, «dass die Umgebung von Bern einen Reichthum des schönsten und besten Sandsteins besitzt».

Wände aus Berner Sandstein

Die Bodenplatte besteht aus gelbem Solothurner Stein. Dabei handelt es sich um Kalkstein, der häufig mehrere Zentimeter lange Schalenresten von Spiralschnecken enthält, sogenannte Nerineen, weshalb er auch Nerineenkalk heisst. Neben dem Berner Sandstein kommt dem Solothurner Stein in den Bundeshäusern und generell in der Stadt Bern die grösste Bedeutung zu.

Herkunft: Steinbrüche nördlich der Stadt Solothurn. Belegt sind Lieferungen aus dem Bruch Kreuzen in der Gemeinde Rüttenen (in Rot auf der Karte).

Quelle: Toni P. Labhart, Steinführer Bundeshaus Bern, Schweizerische Kunstführer GSK, BBL. Nur auf Deutsch.